So schwul ist Schule! Meine Erfahrungen mit Homophobie

Wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, frage ich mich manchmal, warum ich solch eine Angst hatte, dass meine Homosexualität dort bekannt werden könnte. Da mein Abitur mittlerweile fast acht Jahre zurückliegt sind meine Erinnerungen etwas milder geworden, zumal die Menschen, die mit mir damals zu Schule gegangen sind längst erwachsen (vielleicht sogar reif) geworden sind. Unvorstellbar also, dass mir einer davon feindlich begegnet wäre.

Dennoch weiß ich noch sehr gut, dass ich eine panische Angst davor hatte, es könnte auch nur der kleinste Verdacht aufkommen, ich sei schwul. Zu einem großen Teil lag das auch daran, dass mir meine eigenen Gefühle bis dato nicht wirklich geheuer waren. Dennoch nahm ich wahr, wie in meiner Umgebung über Homosexualität gesprochen wurde. Lesben und Schwule ins Lächerliche zu ziehen gehörte noch zu den harmloseren Äußerungen. Jungs haben sich im Sportunterricht „angeschwult“ (wie es damals hieß) oder im Deutschunterricht wurden die pädophilen mit den homosexuellen Neigungen von Thomas Mann gleichgesetzt und sich darüber lustig gemacht. Aus Angst entdeckt zu werden, habe ich zumindest dabei mitgemacht. Man wollte ja nicht auffallen.

In meiner Schulzeit waren die Adjektive „schwul“ bzw. „homo“ Synonyme für alles Negative und wurden so oft genutzt, dass keiner an die wirkliche Bedeutung der Worte mehr dachte. Noch heute erlebe ich, dass jemand eines dieser Worte als Synonym für „Scheiße“ verwendet. Manchmal kommt dann doch so etwas wie eine Entschuldigung: „Du weißt, dass das nicht beleidigend dir gegenüber gemeint ist, oder?“ Nichtsdestotrotz zucke ich jedes Mal unwillkürlich zusammen. Mit 18-Jahren verstärkten solche lapidaren Äußerungen mein Unwohlsein mit meiner Identität jedenfalls beträchtlich. Die Homophobie in meiner Schulzeit blieb aber nicht dabei einen lustigen Spruch über Homosexuelle zu bringen. Ich erinnere mich noch gut, dass offensichtlich schwule Mitschüler für ihre femininen Verhaltenszüge gemobbt wurden. Doch es ging noch schlimmer. Ein Mädchen aus meiner Parallelklasse, über das bekannt wurde, dass es lesbisch war, ging durch die pubertäre Hölle. Sie hat es nach meiner Wahrnehmung ganz gut verkraftet, dennoch wollte ich zu keinem Zeitpunkt mit ihr tauschen.

Ich selbst war daher nicht so mutig zu mir zu stehen und habe aus meiner eigenen Identität lange ein Geheimnis gemacht. Erst als ich das schriftliche Abitur hinter mich gebracht habe, vertraute ich mich den ersten aus meinem Jahrgang an. Nach und nach ist das „Geheimnis“ dann durchgesickert und als das Gerede anfing, war ich glücklicherweise schon längst im Ausland und habe davon nicht viel mitbekommen.

Warum gebe ich diesen kleinen autobiografischen Einblick in mein Leben? Ich möchte auf das generelle Problem des Umgangs mit Homosexualität in Schulen hinweisen. Lesbische und schwule Schüler (aber auch Lehrer) leben meistens versteckt und leiden darunter in einem homophoben Umfeld zu leben. Homophobie in der Schule wird regelrecht toleriert. Schüler leben in der ständigen Angst aufzufliegen. Das ist natürlich von Schule zu Schule unterschiedlich. Dennoch wird das Thema von Pädagogen nicht ernst genug genommen worden. Die meisten Schüler kommen mit dem Thema nicht in Berührung. Es herrscht ein vollkommenes Unwissen über Homosexualität und was man nicht kennt, das lehnt man ab. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals im Sexualkundeunterricht etwas über Homosexualität erfahren habe. Genauso wenig ging es in den Fächern Ethik/ Religion jemals um das Thema Homosexualität und vor allem nicht um die Toleranz gegenüber diesem Thema.

Den Schaden, den die Schule am Selbstwertgefühl von homosexuellen Jugendlichen anrichtet, ist enorm. Kinder und Jugendliche müssen sich viel früher mit diesem Thema auseinandersetzen. Im Unterricht muss das Thema aufgeklärt und tolerant behandelt werden und zwar in allen Fächern (Sexualkunde, Ethik, in Literatur, Kunst und Religion). Homophobes Verhalten muss in meinen Augen geahndet werden und sollte den gleichen Stellenwert bekommen wie Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit. Das Stillschweigen vieler Lehrer kommt einer Legitimation von Homophobie gleich. Außerdem finde ich, dass unbedachte homophobe Äußerungen (z.B. „homo“ als Synonym für „Scheiße“) offen thematisiert werden sollten. Ob es etwas bringt, so ein Verhalten zu sanktionieren, möchte ich bezweifeln. Aber es geht darum Schüler zu einem toleranten Verhalten zu erziehen und wie ich in einem früheren Beitrag schon erwähnt habe, fängt Diskriminierung schon mit der Sprache an.

Mich würde aber interessieren, welche Erfahrungen ihr gemacht habt. Es würde mich freuen, wenn sich jemand bereit erklärt diese mit mir zu teilen.

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18 Kommentare zu “So schwul ist Schule! Meine Erfahrungen mit Homophobie

  1. Hey David, bei mir liegt zwar das Abitur 30 Jahre zurück, aber alles das, was Du zu dem Gefühl und den Reaktionen der Mitschüler geschrieben hast, hätte auch aus meiner Lebensgeschichte sein können. Traurig, oder?! Es scheint sich zwar in der Gesellschaft einiges, an der Schule aber weniges geändert zu haben. Und ich hatte bislang immer die „jungen“ Schwulen dafür beneidet, dass sie nicht das erleben müssen, was ich damals durchstehen musste.

    • Hallo Dirk, vielen Dank für dein Kommentar. Ich glaube, dass meine Situatio, so schlimm ich sie damals empfunden habe, natürlich nicht vergleichbar ist mit deiner. (Ich habe kurz nachgerechnet) In den 1970ern hat Deutschland ja erst angefangen toleranter zu werden. Daher hatten es Schwule und Lesben in dieser Zeit sicher schwerer.

      Ich persönlich hoffe, dass in wenigen Jahren das Thema Homosexualität vollkommen unverkrampft wahrgenommen wird und sich Jugendliche problemlos in der Schwule dazu bekennen können.

      Dahin ist es, auch wenn seit 1970 viel passiert ist, noch ein weiter Weg!

  2. Wirklich ein sehr guter Beitrag, David. Meine Schulzeit waren die Achtziger – da kam gerade AIDS auf. Ich wusste damals noch nicht, dass ich schwul bin (hatte mein Coming-out erst mit Anfang 20 im Studium), aber ich war in der Schule auch nicht nennenswert mit dem Thema Homosexualität konfrontiert. Man wusste, dass es das gab, aber es wurde meiner Erinnerung nach weder in Biologie noch in Religion behandelt. Bewusst begegnete mir das Thema erstmals in Deutsch: in Thomas Manns „Tod in Venedig“ (das ich aber erst richtig verstand, als ich es später, nach dem Coming-out, nochmals las). „Schwul“ oder ähnliches als Schimpfwort gab es damals noch nicht, jedenfalls noch nicht so wie heute, und auch an Mitschüler, die offen schwul gewesen wären, erinnere ich mich nicht. Inzwischen weiß ich aber dank postabiturieller Klassentreffen, dass ich mindestens zwei weitere in meiner Jahrgangsstufe hatte. Insofern kann ich – glücklicherweise – auch nicht von etwelchen Diskriminierungen berichten, doch es geht mir heute, mit Anfang 40, im Kollegenkreis ähnlich wie Dir: Jungs, die wie Du in den Zwanzigern sind, schimpfen über irgendetwas als „schwul“, und wenn ich dabei bin, heißt es gleich: „Also, das geht jetzt nicht gegen dich, gell…“ Bis solche Bezeichnungen ganz unterbleiben, ist wohl noch ein weiter Weg – aber der muss, wie Du sehr richtig schreibst, in der Schule anfangen; und zwar spätestens!

  3. Halli und danke für diesen offenen Bericht.
    ich lebe seit 22 Jahren mit meiner Liebsten zusammen. Das heisst erst mal geheiratet und erst später mein lesbisch sein entdeckt. Bin auf einem kleinen Bauerndorf aufgewachsen und das lesbisch und schwul sein gab es zu der Zeit nicht “ grins“ aber was ich schon von früh auf gemacht habe das ist Fotos von Männern…Stars im Schlafzimmer gepostet und die Frauen aus den Zeitschriften rausgeschnitten in ein Heft geklebt und in den Nachttisch gelegt. Abends angeschaut;-).Ganz klammheimlich im Bett;-)
    Inzwischen habe ich mich sehr eingesetzt für Rechte für uns. Bin hier in Luxembourg mit in dei politischen Parteien gegangen zum reden.
    Allem Anschein nach wenn dann alles gut läuft bekommen wir dann bald die möglichkeit zu heiraten und vielleicht auch zu adoptieren.
    Jedoch ist hier auch oft noch viel Homophobie angesagt und der Weg ist noch nicht geebnet.
    Hier wird leider auch noch oft in der Schule ignieoriert und totgeschwiegen. Aber es gibt dann auch das andere. Das offenere. In der Hoffnung als 55. Jährige. Kämpferin in der Bewegung hoffe ich dass das alles einmal kein Thema mahr ist…also deutlicher und besser ausgedrückt dass es selbstverständlich ist.
    Lieben Gruss in deinen Abend
    und alles Gute

  4. Hallo David

    Ich bin jetzt 23 Jahre alt. Meine Schulzeit liegt also erst ein paar Jahre zurück. Auch ich erinnere mich noch, wie Schwul als Synonym für schlechte Dinge verwendet wurde (wenn auch nicht ständig). Wäre wirklich schön, wenn das Thema Homosexualität in der Schule öfters angesprochen wird. Das würde es vielleicht auch leichter machen für Junge Menschen sich zu outen. Leider wird sich bis dahin, denke ich, mit unserer momentanen Regierung nicht viel ändern.

    Liebe Grüße

  5. Hey,
    Die vielen Berichte haben mich wirklich sehr gefreut. Vor allem zeigen eure Kommentare, dass es tatsächlich ein Problem ist, das in allen Jahrzehnten stattfand und noch längst nicht überwunden ist.
    Ich frage mich, wie man dieses Bewusstsein in die Schulen bringt. Das ist eigentlich Aufgäbe des Staates.

  6. Ich habe in meiner Schulzeit auch solche Erfahrungen gemacht. Teilweise wurden meine Mitschüler sogar handgreiglich mir gegenüber. Ich hatte jedoch das Glück, dass sich viele Lehrer,so auch die Schulleitung, sehr dafür eingesetzt haben, dass diese Schüler geahndet wurden.

    Doch du hast recht. Es ist heute immer noch so,dass Kinder anscheinend nie richtig aufgeklärt werden.

    So hab ich selbst die Erfahrung gemacht, dass ich eines Tages nach Hause kam und auf unserem Innenhof einige Nachbarskinder zusammen saßen und spielten.
    Im vorbei gehen hörte ich dann nur: „schwul, schwul, schwul!“

    Leider waren die dazugehörigen Eltern nicht anwesend, dass ich mich Ihnen zuwenden konnte um mit Ihnen darüber zu sprechen.

    Daran hab ich gemerkt, dass das Thema auch heutzutage noch nicht zur Erziehung gehört und Kinder teilweise unwissend ins Leben geschickt wurden.

  7. Hallo David,

    meine Schulzeit habe ich anders in Erinnerung.
    Homosexualität war Gesellschaftlich bzw. im öffentlichen Raum nahezu nicht sichtbar und nicht Bestandteil der allgemeinen Diskussion. „Schwul“ habe ich als geläufiges Schimpfwort oder Synonym für Fehlerhafte Verhältnisse erst später kennengelernt. Wenn die großen Jungs miteinander gespielt haben, hiess das nicht „anschwulen.“
    Im historischen Kontext Griechenland, und Rom, auch auch in der Literatur gab es durchaus eine inhaltliche Auseinandersetzung.
    Einzelne fortschrittliche oder rückstämdige Lehrer haben sich aus darüber hinaus positiv oder negativ geäußert.
    Nun kam in den 80ern AIDS in die breite Öffentlichkeit und im Sinne der Prävention auch in die Schule. Das wurde aber eher medizinisch und technisch (Kondom) verwurstet, als über Lebensstile oder Identitäten. Der Biologie-Unterricht war besonders ignorant.
    Im persönlichen habe ich die Zeit wie eine unsichtbare Glaskuppel erlebt; es ging bis zu einem bestimmten Punkt aber nicht weiter. Ich war nicht geoutet, und dennoch „erkannt.“

    Was mir bei Umbrüchen immer wieder auffällt, ist dass Veränderungen dann in alle Richtungen stattfinden. Kommt Homosexualität aus der Nichtexistenz in die Diskussion ist das ein Fortschritt. Die Präsenz ermöglich dann auch die Nutzung als Schimpfwort und enttabuisiert die Kommunikation bisher im Stillen gepflegter Vorurteile, so dass eine Menge zu tun bleibt.

    Viele Grüße

    Lars

  8. In meiner Schulzeit (80er) gab es in meinem schulischen Umfeld eine allgemeine homophobe Grundstimmung, die zwar selten offen zutage trat, sich aber in der Wortwahl beim Beschimpfen oder Herabwürdigen von Leuten niederschlug. Schwul war vielleicht nicht allgegenwärtig, aber doch recht gängig als Schimpfwort.

    Da es zumindest in den Jahrgängen, mit denen ich zu tun hatte, zu der Zeit keine geouteten Schwulen gab, hatten wir (rekonstruiere ich im Rückblick) wohl gar nicht das Gefühl, mit solch einer Ausdrucksweise jemanden zu treffen. Kein (sichtbar) Leidtragender, kein Unrechtsbewusstsein. Dass sich zwei aus meinem Jahrgang lange nach dem Abi geoutet haben, hat mich dann aber doch betroffen gemacht.

    Als ich zum erstenmal bewusst mit Schwulen zu tun hatte (ein Kamerad beim Bund, ein Freund an der Uni, jetzt mehrere Kollegen), wurde mir überhaupt nach und nach klar, was ich da mit meiner Sprache tat. Wenn ich meinen Sprachgebrauch je nach Anwesenden umstellen musste, war da was faul. Ich mussste mir diese Ausdrücke aktiv abgewöhnen. Das war nicht leicht, weil das völlig etabliert im Hirn saß und mit erschreckender Selbstverständlichkeit rauskam.

    Dabei ist das nichts, was ich von meinen Eltern gelernt hatte, von ihnen habe ich nie derartiges gehört. Die waren im Gegenteil gegen Diskriminierung und haben sehr auf Wertschätzung allen Menschen gegenüber Wert gelegt.

    Ich schließe mich den anderen Kommentatoren an: Es ist sehr wichtig, dass das Thema Homosexualität in der Schule behandelt wird, und zwar nicht nur „technisch“ im Biologieunterricht, sondern vor allem in Hinsicht auf die Implikationen für die Betroffenen. Wenn man schon Schülern zeigt, was allein homophober Sprachgebrauch anrichtet, hat man die Chance, wenigstens einen Teil der Leute früh zu sensibilisieren und so einiges an (oft sicher unbeabsichtigt verursachten) Verletzungen zu vermeiden.

  9. Ich stecke gerade mitten in meinem Abitur, bin sehr sehr feminin ;) und habe mich seit meinem ersten Tag an geoutet. Während dieser Zeit gab es viele blöde Bemerkungen aber auch viel Lob. Insgesamt war das Outing das beste was mir passieren konnte, denn dadurch ist mein Selbstbewusstsein ernorm gestiegen und ich engagiere mich sogar öffentlich für die Rechte von LGBTI.
    Wenn ich höre, dass das Wort schwul egal wo negativ gebraucht wird schreite ich sofort ein und stelle diejenige bzw. denjenigen zur Rede. Würde jeder so reagieren, gehöre das Wort Schwuchtel als Beleidigung der Vergangenheit ab.
    Schlussendlich bleibt zu sagen: Egal was die anderen sagen, egal wie schwer es einem gemacht wird: Ich bin glücklich und froh eine Schwuchtel zu sein!!! ;-)))

  10. Per E-Mail hat mich heute ein weiteres Kommentar zu diesem Artikel erreicht. Der Autor möchte anonym bleiben. Daher poste ich das Kommentar selbst. Denn ich finde die Geschichte sehr interessant:

    „Kommentar zu „So schwul ist Schule“:

    Meine Schulzeit liegt noch gar nicht so lange zurück, habe 2008 mein Abitur gemacht und normalerweise geht man ja davon aus, dass auf einem reinen Gymnasium die Schüler eigentlich so klug sein sollten, um zu wissen, wie man mit Homosexualität umzugehen hat.
    Es kommt jedoch hinzu, dass ich während meiner Schulzeit selbst von mir noch nicht so richtig wusste, ob ich wirklich schwul bin oder ob mir einfach noch nicht das richtige Mädel über den Weg gelaufen ist. Ich war halt ein spezieller Typ, war ein „Streber“ und hatte ganz andere Hobbies und Interessen als meine anderen Mitschüler. Während andere sich nachmittags in Sportvereinen herumtrieben oder sich am Wochenende zum Pokern oder zu LAN-Parties getroffen haben, war ich eher mit meiner Reclam-Hefte-Sammlung beschäftigt, die ich bis ins kleinste Detail digital archiviert habe. Von daher fand ich meine innere Vermutung gar nicht so unrealistisch, dass ich einfach noch keine Freundin gefunden hatte, weil ich nicht so ein „Mainstream“-Boy gewesen bin.

    Komischerweise kam mir während der Schulzeit nicht ansatzweise der Gedanke, ob ich überhaupt schwul sein könnte, und das trotzdem, obwohl ich doch öfters mal dem einen oder anderen Jungen hinterhergeschaut habe. Ich sah meine männlichen Mitschüler (und da gab es einige wirklich hübsche Jungs) meistens immer als Vorbild für bestimmte Klamotten, die ich mir dann auch kaufte. Mein einer gut aussehender Mitschüler trug z.B. eine ziemlich coole Diesel-Jeans und ein anderer Mitschüler sehr abgefahrene Sneakers, die ich sogar heimlich in der Sporthallen-Umkleide anprobiert habe.Es kam vielleicht mal der eine oder andere blöde Kommentar auf Geburtstagsparties oder so, dass irgendein Hetero-Mitschüler laut brüllte, ich sei schwul, aber zu dem Zeitpunkt habe ich einfach nur darüber gelacht und es weder als Beleidigung noch als Anerkennung aufgefasst.
    Kurioserweise hatte ich bereits wenige Wochen nach meinem Abitur nur noch zu wenigen Mitschülern Kontakt und war mir ziemlich genau einen Monat nach meinem Abitur sicher, dass ich schwul bin, das bestätigte mir mein erstes Date mit einem Jungen. Das Ende meiner Schulzeit musste also auf mich indirekt wie eine Art „Befreiung“ gewirkt haben, obwohl ich mich nie wirklich persönlich angegriffen fühlte. Sicher fiel auch mal der Begriff „schwul“ als Schimpfwort („Kunst ist schwul“), oder andere Begriffe wie „Homofürst“ oder „Ar***fi**er“. Übrigens wurde das Thema Homosexualität im Sexualkundeunterricht auch nicht ansatzweise behandelt. In meinen Bio-Lehrbüchern ging es immer nur um die heterosexuelle Fortpflanzung. Selbst
    in ganz modernen, aktuellen Biologie-Büchern findet man nicht mal in einem Nebensatz das Thema Homosexualität, obwohl ich in unterschiedlicher Weise feststellen musste, dass heutzutage, gerade einmal fünf Jahre nach meinem Abitur, viel offener mit diesem Thema an Schulen (auch unterhalb der Schüler) umgegangen wird.
    Ich war z.B. gegen Ende meines Studiums mal an einer berufsbildenden
    Schule im Rahmen einer Uni-Studie und sah auf dem Schulhof ganz selbstverständlich zwei Jungs, die
    sich leidenschaftlich geküsst haben. Und da hatte sich niemand umgedreht, es gab weder angewiderte
    Blicke noch diskriminierende Beschimpfungen.“

      • Ja, ich kann mich da Carsten Kommentar nur anschließen. Gerade für „Oldies“, die sich aktiv gegen Homophobie einsetzen, ist es wichtig, auch mal aktuelle Erlebnisse der „Jungen“ zu lesen/hören.
        Mein Vater (Jahrgang 1928 und Kapitän zur See) hätte mich sicherlich noch windelweich geprügelt, wenn ich ihm Anfang der Achtziger von meiner Homosexualität erzählt hätte. Vor einem Jahr – mit selber 50 Jahren – bin ich mit meinem Partner in ein Einzelhaus in einer spießigen Wohngegend gezogen (wo einige aus der Generation meines Vaters leben) und erlebe ausschließlich freundschaftliche Zuneigung der Nachbarschaft. Einige sagten sogar, dass sie dankbar für unsere „Offenheit“ sind, weil sie so viele „blöde Klischees im Kopf hatten und nun lernen, dass auch Schwule ganz normale Menschen sind“(Zitat).
        Meine Frage ist deshalb eher: liegt die Akzeptanz eher an dem Verhalten von Einzelpersonen oder an einer gesellschaftlichen Entwicklung? Oder ist es eine Melange aus Beidem?

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