Homoheiler-Seminare sind Körperverletzung

Für mich ist die folgende Meldung ein kleiner Skandal: In Hessen werden Vereinigungen staatlich gefördert und erhalten die Möglichkeit ein freiwilliges soziales Jahr anzubieten, die aktiv eine „Heilung“ von Homosexuellen propagieren. Die „Offensive Junger Christen“ behauptet, das heterosexuelle Potenzial von lesbischen und schwulen Jugendlichen zu wecken und diese endlich von ihren homosexuellen Neigungen zu befreien. Die Veranlagung sei, so die Offensive, nicht angeboren.

Mal abgesehen davon, dass die radikale Christengruppe mit dieser Forderung alle seriöse, moderne Forschung ignoriert (Das macht die Kirche ja generell gerne; Stichwort Galileo), können solche Homoheiler-Seminare eine fatale Wirkung auf verunsicherte Jugendliche haben. Die Pubertät ist eine Phase der Orientierung. Jeder kann das aus eigener Erfahrung berichten, dass man sich in dieser Zeit durch viele Dinge verunsichern lässt. In der Pubertät merken Jugendliche erst, dass sie anders fühlen als die meisten ihrer Geschlechtsgenossen. Alle Informationen, die ihnen dann Anlass geben, nicht normal zu sein oder im schlimmsten Falle „krank“, „gestört“ oder „pervers“ können eine katastrophale Wirkungen haben.

Nicht umsonst ist die Zahl von Suiziden bei homosexuellen Jugendlichen um ein Vielfaches höher als bei heterosexuellen. Das liegt nicht etwa daran, dass schwule und lesbische Teenager einen größeren Selbstzerstörungstrieb haben, sondern an den gesellschaftlichen Gegebenheiten, die sie zu solchen Verzweiflungstaten treiben. Ein homophobes Elternhaus, die ständigen Hänseleien in der Schule und die gesellschaftliche Ablehnung sind für Jugendlich nur schwer zu ertragen. Je homophober das Umfeld oder die Gesellschaft, desto eher neigen Jugendliche zum Selbstmord. Vielleicht wünschen sich einige Jugendliche daher auch, dass sie nicht homosexuell wären, um diesen psychischen Belastungen zu entgehen. Dieser Umstand treibt sie dann in solche Seminare.

Seminare, die eine „Heilung“ von Homosexualität versprechen, haben eine fatale Wirkung auf einen verunsicherte Menschen (nicht nur Jugendliche). Jugendliche, die „freiwillig“ (weil sie die Gesellschaft zwingt) oder unfreiwillig in solche Seminare gehen, bekommen dort diese Gefühle nur noch verstärkt. Sie bekommen dort eingetrichtert, dass sie gegen ihre Empfindungen ankämpfen sollen und ein Leben führen sollen, das sie niemals glücklich machen kann. Die psychischen Folgen kann ich nicht vollends beurteilen (Der oben verlinket Artikel der Bundesärztekammer tut das aber schon ganz gut), dennoch kenne ich das Gefühl, die eigene Identität zu unterdrücken – eine schreckliche psychische Belastung.

Auch wenn der Großteil der Gesellschaft mittlerweile andere Auffassungen vertritt und diese radikalen Christen eher belächelt, halte ich die Seminare trotzdem für gefährlich. Einem Menschen eine andere Identität aufzuzwingen und ihm psychischen Druck auszuüben, ist in meinen Augen Körperverletzung. Es ist daher nicht nur ein Skandal, dass die hessische Landesregierung eine Vereinigung fördert, die solche Seminare anbietet, sondern es ist ein Skandal, dass solche Seminare nicht unter Strafe stehen.

In welcher Zeit leben wir eigentlich? Dass wir es zulassen, dass Menschen in Umerziehungslager geschickt werden, die bei ihnen schreckliche, psychische Schäden anrichten. Das nur, weil religiöse Radikale nicht akzeptieren können, dass nicht alle Menschen so sind, wie sie das gerne hätten. Diese Umerziehung hat wenig mit christlicher Nächstenliebe zu tun, sondern ist eine seelische Grausamkeit, die nicht toleriert werden darf. Ich fordere den Gesetzgeber und alle öffentlichen Einrichtungen auf, solche Organisationen nicht nur zu ächten sondern auch, dass sie solche Seminare als das ansehen , was sie sind – eine schwere Körperverletzung.

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