Die Schwulenpolitik der LINKEN von der DDR bis heute

Die LINKE hat selten etwas mit der FDP gemeinsam. In der Frage der Gleichstellung von Schwulen und Lesben schon, allerdings aus unterschiedlichen Traditionen. Denn beide Parteien haben eine völlig andere geschichtliche Entwicklung vollzogen – die liberalen haben eine lange (auch wenn mittlerweile fast vergessene) sozioliberale Tradition, wohingegen die LINKE sich aus der sozialistischen Staatspartei der DDR entwickelte. Prinzipiell haben die LINKEN in der Bundesrepublik bei allen Initiativen von rot-grün zur Gleichstellung mitgestimmt und auch im Wahlprogramm der LINKEN steht ein klares Bekenntnis zur Gleichstellung von Schwulen und Lesben. Doch auch die Linken haben in der Vergangenheit Schwule diskriminiert.

Nicht nur in diesem Punkt würde die LINKE gerne vergessen machen, dass die Partei die direkte Nachfolgeorganisation der SED (DDR Staatspartei) ist, auch wenn sich der Name seitdem einige Male geändert hat und im Westen die WASG mitangeschlossen wurde. Die SED war in Bezug auf Schwule der Bundesrepublik um einen Schritt voraus, denn Homosexualität stand von Anfang an in der DDR nicht unter Strafe. Doch diese Straffreiheit brachte keine wirklichen Vorteile für Schwule in der DDR. Denn kaum ein Schwuler hätte sich geoutet und sich so zu seinem „Anderssein“ bekannt. Die ARD Doku „Unter Männern – Schwul in der DDR“ zeigt wie willkürlich die Staatsmacht der DDR gegen Schwule vorgegangen ist und wie sehr Homosexuelle unter der gesellschaftlichen Diskriminierung zu leiden hatten. Die Straffreiheit von Homosexualität war nicht mehr als Augenwischerei oder Schaufensterpolitik, um sich demonstrativ von den „faschistischen“ Traditionen des Westens abzusetzen. Doch Homosexualität passte nicht in das Verständnis der Sozialisten: „Die von ihr propagierte sozialistische Gesellschaft favorisierte die lebenslange, monogame und reproduktive Ehe. Diese Norm bestimmte ihre Sexualpolitik und Sexualerziehung. […] Homosexuell-Sein hatte darin keinen Platz. Im gleichgeschlechtlichen Begehren, das frei wählbar und gelebt werden konnte, sah die SED eine Gefahr für die sozialistische Moral, für das ‚Sittengefühl der Werktätigen‘.“

Die Homophobie, die auch im sozialdemokratischen Milieu weit verbreitet war, führte in der sozialistischen DDR dazu, dass Schwule geächtet, ausgegrenzt und von staatlicher Willkür bedroht waren. Die Verfolgung von Schwulen, die in der DDR mit der Lockerung des Paragrafen 175 aufhörte, wurde in der DDR von der Stasi befördert. Auch wenn die SED auf dem Papier Homosexualität erlaubte, existierten die staatlichen Verfolgungen weitaus länger als in der BRD.

Viele Funktionäre der alten SED sind auch heute noch Teil der LINKEN, daher kann sich die Partei in diesen Punkten nicht ganz davon freisprechen. Differenziert betrachtet stammt diese Politik aus einem anderen System und hat nichts mit der Politik der LINKEN zu tun. Die Wende der Partei fand mit dem Übergang von SED zu PDS statt. Man kann der LINKEN einiges vorwerfen, aber in der Frage der Gleichstellung hat die Partei heute moderne Positionen. Die LINKE fordert unter anderem auch die volle Rehabilitierung aller Männer, die aufgrund des damals noch existierenden Paragrafen 175 verurteilt wurde. Daher existiert mittlerweile im Bundestag eine „informelle“ Koalition aus diesen drei Parteien zum Thema Gleichstellung (Die FDP ist an den Koalitionszwang gebunden).

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