Erfolgsmodell Gayromeo

GayromeoDer Erfolg im Internet ist manchmal von sehr kurzer Dauer. Bestes Beispiel dafür ist der Absturz der VZ-Netzwerke, die 2005 gegründet, erst einen kometenhaften Aufstieg vollzogen bis sie von Facebook abgelöst mittlerweile in die Bedeutungslosigkeit versunken sind.

Es geht aber auch anders, was das erfolgreichste Schwulen-Netzwerk in Deutschland eindrucksvoll unter Beweis stellt. Das Internet-Dating-Portal Gayromeo existiert seit 2002 und ist weltweit erfolgreich. Für die Zielgruppe, homosexuelle, bisexuelle und transgender Männer ist das Portal in Deutschland beinahe unumstritten. Laut Wikipedia sind über 1,5 Mio. User (Stand: 2013) weltweit registriert. Kernmarkt ist Deutschland mit +393.000 Nutzern. Durch die große Popularität in der schwulen Community wird das Netzwerk auch das „schwule Einwohnermeldeamt“ genannt.

Durch Gayromeo hat sich die Kommunikation unter schwulen Männern völlig verändert. In der Bar Männer kennen lernen ist in meiner Generation die Ausnahme. Heterosexuelle schämen sich teilweise noch, ihren Partner auf einem Online-Dating-Portal kennen gelernt zu haben. Für Schwule ist das längst kein Makel mehr. Eventuell liegt das auch generell an der Schwierigkeit der schwulen Partnersuche.

Das Portal hat sich über Jahre hinweg auch gegen starke internationale Konkurrenten durchgesetzt. Den einzigen Trend, den Gayromeo lange verschlafen hat, ist die Location-based Funktion, die anzeigt wie weit andere User entfernt sind. Dadruch hat sich in Deutschland auch die App Grindr etablieren können. Mobil wurde das zwar mittlerweile nachgerüstet, findet bei Grindr aber mehr Anklang. Das hat der Nutzung von Gayromeo nicht unbedingt geschadet. Die meisten schwulen Männer nutzen Grindr eher als Ergänzung. Gayromeo bietet weiterhin den Mehrwert ein umfangreiches soziales Profil zu erstellen, dass auf die Bedürfnisse der Nutzer eingestellt ist.

Das Portal hat sein Kerngeschäft in der Online-Partnersuche und ist dort in Deutschland alleine schon wegen der großen Community unumstritten. Auch international ist PlanetRomeo (wie sich das Netzwerk vor einigen Jahren auch nennt) ein Erfolg. Das liegt mitunter daran, dass Gayromeo kaum Einschränkungen für freie Nutzer-Accounts hat. Es gibt zwar einige Anreize, sich einen „Plus“-Account zuzulegen, doch der durchschnittliche Nutzer der Plattform wird darauf keinen großen Wert legen. Dennoch ist Gayromeo durchaus profitabel. Seit einiger Zeit schaltet Gayromeo auch Werbeanzeigen, die zusätzliches Geld bringen. Diese Werbeeinblendungen sind aber längst nicht so störend wie auf anderen Internet-Portalen.

Dennoch fehlt ähnlich wie bei Facebook, die zündende Idee aus dem großen Pool an zahlungskräftigen Mitgliedern (Schwule verfügen über ein überdurchschnittliches Haushaltseinkommen) optimalen Profit zu schlagen, ohne durch aggressive Werbung das Publikum zu vergraulen. Facebook verärgert in letzter Zeit viele Nutzer durch penetrante Einblendung von „promoted Posts“ oder vorgeschlagenen Seiten. Das Netztwerk ist zwar noch unumstrittener als Gayromeo, dennoch läuft auch Facebook Gefahr durch zu penetrante Werbung Nutzer zu verschrecken.

Gayromeo sollte aber nicht den Weg der unendlichen, unterschiedlichen Direktwerbungsformate nutzen. Das würde die Nutzer nur abschrecken die Seite zu nutzen.

Eventuell könnte Gayromeo daran denken, stärker mit Unternehmen zu kooperieren, die sich explizit an eine homosexuelle Zielgruppe richten. Das Prinzip Unternehmensseite von Facebook wäre eine Option, Werbung zu schalten ohne damit den Teil der User abzuschrecken, die damit nichts zu tun haben wollen.

Allerdings könnten einigen Unternehmen das Portal, das keinen Hehl aus dem Primärinteresse der meisten User macht, zu „schmuddelig“ finden, um es als Werbefläche zu verwenden. Den Weg in das neue Internetzeitalter muss Gayromeo aber noch finden. Mit einer alleinigen Expansionsstrategie wird es aber nicht getan sein. Innovationen wie Grindr zeigen ja, wie schnell etablierte Netzwerke an Boden verlieren können, wenn ein anderes Netzwerk einen Mehrwert bietet.

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Ein Kommentar zu “Erfolgsmodell Gayromeo

  1. Einen Partner über Gayromeo zu finden, ist wirklich eine Kunst.

    Auf dieser Seite geben viele vor, eine Beziehung zu suchen, doch im Laufe des Chats stellt sich schnell heraus, dass diese User nur Sexdates suchen(auch wenn sie im Profil den Status Beziehung/Chat/Freunde) angeben.

    Ich bin seit 10 Jahren dort angemeldet und habe bisher immer nur Leute kennengelernt, die nach 10 Minuten Chat fragen, ob ich ein Bild von bestimmten Körperteilen habe und was meine sexuellen Vorlieben seien.

    Das andere Problem ist einfach die immense Oberflächlichkeit. Dort gibt es auch Leute, die seit 5 Jahren auf der Suche nach einer Beziehung sind und immer noch nicht fündig geworden sind. Sie leben in einer Traumwelt, wo sie wohl einen Modelfreund suchen, Wenn man sie anschreibt, kommt keine Antwort zurück.

    So ist es leider fast immer, die Leute antworten nicht. Dazu ist zu sagen, dass ich ein Mann Mitte 20 bin, der gar nicht schlecht ausschaut. Aber den Leuten passt immer mal was nicht. Mal sind sie auf der Suche nach blauen Augen, mal nach Waschbrettbauch.

    Es kommen täglich neue Profile hinzu. Doch auf dem zweiten Blick stellt man fest, dass es Faker sind, Leute aus Osteuropa, die einen reichen Typen suchen oder einfach nur Sexdatesucher sind.

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