Letztes Stigma: Blutspendeverbot für Schwule

Quelle: DRK Schwanheim-Goldstein
Link: http://www.flickr.com/photos/drk_schwanheim/308864891/

Eines der letzten gesellschaftlichen Stigmen für Schwule in Deutschland ist der generelle Ausschluss von der Blutspende. Auch wenn die Debatte in den letzten Jahren immer wieder aufgekommen ist, hat sich bislang wenig getan. Das Blutspendeverbot für Homosexuelle ist ein Relikt der 80er Jahre, in denen die Angst vor einer HIV-Infektion durch Schwule viele unverhältnismäßige Maßnahmen hervorgebracht hat. Ein Argument für das Verbot ist das erhöhte HIV-Risiko, das für  homosexuelle Männern besteht. Aber nicht nur homosexuelle Männer sind von der Blutspende ausgeschlossen, auch Prostituierte, Häftlinge und oder Drogenabhängige dürfen in Deutschland kein Blut spen

den. Die Strenge beim Ausschluss geht soweit, dass sogar Frauen, die in den letzten Monaten mit einem bisexuellen Mann Sex hatten, nicht zugelassen sind.

Die Argumentation für einen Ausschluss dieser „Risiko-Gruppen“ zielt darauf ab, die Gefahr einer infektiösen Blutspende zu minimieren. Zwar wird bei Blutspenden auch auf eine HIV-Infektion hin getestet, dennoch unterstellen die Behörden diesen Gruppen einen zu promisken Lebensstil, sodass man eine HIV-Infektion nicht zweifelsfrei ausschließen kann (Antikörper gegen das HI-Virus bilden sich erst nach einiger Zeit im Blut und können zweifelsfrei erst nach ca. 3 Monaten nachgewiesen werden).

Der Ausschluss aufgrund der sexuellen Identität ist jedoch fragwürdig, da er Menschen nicht  wegen einer risikofreudigen Lebensweise ausschließt, sondern aufgrund ihrer Identität. Das ist eine grobe Diskriminierung. Die homosexuelle Identität ist nicht an ein risikoreiches Sexualverhalten gekoppelt und nicht jeder schwule Mann hat viele wechselnde  ungeschützte Sexualkontakte. Diese Unterstellung alleine ist eine schwerwiegende Diskriminierung. Denn nicht die Identität sollte einen Ausschluss bedingen, sondern der Lebensstil. Zudem ist der Ausschluss per Fragebogen ein  ziemlich wirkungsloses Instrument, da man sich auf die ehrliche Selbstauskunft der Spender verlassen muss. Schon aus Gründen der „sozialen Erwünschtheit“ (Ein Begriff aus der Umfrageforschung, wonach Probanden einer Umfrage unehrliche Antworten geben, weil sie glauben durch eine ehrlich Antwort durch den Fragenden verurteilt zu werden) geben die meisten Spender wohl kaum eine ehrlich Antwort, ob sie als Prostituierte arbeiten oder wechselnde, ungeschützte Geschlechtspartner haben.  Jeder Spender mit einem promisken Lebensstil, der von Safer-Sex nicht viel hält, kann Blut spenden, sofern er nicht wahrheitsgemäß antwortet. Die Kontrollmöglichkeiten der Antworten sind begrenzt, sodass diese leicht zu umgehen sind, wenn man es denn möchte.

Doch wie relevant ist ein solches Verbot überhaupt noch?

Die Angst durch eine Blutspende mit dem HI-Virus infiziert zu werden ist nachvollziehbar. Sie ist aber unbegründet. Denn das Risiko durch eine Bluttransfusion mit HIV infiziert zu werden ist heute minimal. Es kann aber womöglich niemals völlig ausgeschlossen werden. Seit der Einführung des HIV-Tests bei der Blutspende wurden nur noch sechs Menschen auf diese Weise mit HIV infiziert. Davon kamen zwei Spenden von Homosexuellen, die übrigen vier waren von Heterosexuellen. Es ist auch unverständlich, weshalb bei der Blutspende so strenge Regeln gelten. Für Organspenden gelten diese nicht, wobei auch dort das Risiko nicht kleiner ist sich durch ein infiziertes Organ mit dem HI-Virus anzustecken.

Es ist ein trauriges Bild, dass 2013 immer noch solche Diskriminierungen der sexuellen Identität existieren. Ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Daher plädiere ich dafür, das Verbot abzuschaffen. Es wäre ein wirkungsvolles Signal gegen die Diskriminierung von Schwulen in unserer Gesellschaft und nimmt von ihnen ein überfälliges Stigma.

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2 Kommentare zu “Letztes Stigma: Blutspendeverbot für Schwule

  1. Du hast absolut recht – vor allem wenn man bedenkt, dass es immer weniger Menschen gibt, die Blut spenden wollen. Wieso also eine Gruppe nur aufgrund veralteter Vorurteile ausschließen?

  2. Was mich jetzt vor allem irritiert ist, dass ich dachte, das wäre schon längst abgeschafft, weil ich die Diskrimierung so offensichtlich ist. (Ich muss auch zugeben, das ich noch nie Blut gespendet habe und deshalb mich nicht näher damit beschäftigt habe.)
    Jetzt lese ich sowas. Ein echtes Unding. :(

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