„Schick mir mal ein Nacktbild“ – Über den sorglosen Umgang mit Bildern im Internet

Das in den letzten Wochen stark diskutierte Abhörprogramm der USA „Prism“ sollte uns allen zu denken geben – nicht nur dahingehend, welche Kanäle wir für unsere tägliche Kommunikation nutzen, sondern auch welche Inhalte wir dort verbreiten. Denn wir hinterlassen alle Spuren im Internet, ob im halböffentlichen oder gar völlig öffentlichen Raum. Dass diese Daten nicht wirklich geschützt sind, ist durch die geheimdienstliche Bespitzelung der Amerikaner jedem bewusst geworden. Doch nicht nur Geheimdienste können mitlesen, auch Kriminelle oder auch vertraute Personen (die Passwörter zu den einzelnen Accounts besitzen) haben die Möglichkeiten an die Inhalte, die wir im Netz teilen heranzukommen.

Gerade Homosexuelle sollten dafür besonders sensibilisiert sein. Denn nicht jeder ist in seinem kompletten Umfeld geoutet bzw. hätte ein unfreiwilliges Outing negative Konsequenzen für die betreffenden Personen. Außerdem sind viele Informationen, die wir in privaten Chats oder anonym auf Plattformen von uns preisgeben nicht wirklich für die Öffentlichkeit gedacht. Der persönliche Schaden ist somit groß, könnte man diese eindeutig unserer Person zuordnen. Welche Möglichkeiten Portale wie beispielsweise Facebook bereits bieten, Schwule zu „enttarnen“, habe ich einem früheren Beitrag zusammengefasst.

Trotz aller „Gefahren“, die die Kommunikation im Internet bietet, geht wohl kaum eine gesellschaftliche Gruppe so sorglos damit um, Inhalte ins Netz zu stellen wie Schwule. Ich möchte mich daher mit Sicherheit im Netz befassen und in einigen Beiträgen auch Tipps geben, wie man „sicherer“ im Netz surft. Ich möchte dabei mit dem wichtigsten Thema beginnen – den Bildern.

Das Teilen von Bildern gehört mittlerweile fest zum schwulen Kommunikationsverhalten. Auf Internetdatingportalen wie Gayromeo oder über die mobilen Apps Grindr und WhatsApp werden freizügige Bilder bis pornographische Inhalte sorglos hochgeladen und geteilt. Dabei ist es den Nutzern scheinbar egal, dass sie auf den Bildern leicht zu identifizieren sind. Über die Konsequenzen, wenn dieses Bild an andere Stelle öffentlich würde, machen sich wohl die Wenigsten Gedanken. Doch um Bilder zu kopieren und an anderer Stelle wieder ins Netz zu stellen, muss man kein gewiefter Hacker sein oder über geheimdienstliches Know-How  verfügen, prinzipiell kann das jeder tun. Ein Bild per Screenshot zu kopieren ist kinderleicht oder noch banaler über einen Rechtsklick auf die Festplatte zu speichern. So schnell kommt man die Bilder anderer, die sich dann an anderer Stelle anonym verbreiten lassen. Dagegen gerichtlich vorzugehen ist schwierig, da sich diese Vorgänge teilweise  schwer beweisen lassen.

Natürlich ist das sorglose Teilen von Bildern nicht alleine ein schwules Phänomen – auch nicht für freizügige Bilder. Dennoch gibt es Plattformen für die schwule Community wie Gayromeo schon viel länger als für heterosexuelle Nutzer (z.B. Badoo). Beziehungsweise waren solche Plattformen bei heterosexuellen Nutzern lange Zeit längst nicht wirklich akzeptiert. Daher ist die Onlinekommunikation für Schwule heute schon viel selbstverständlicher als für den Rest der Bevölkerung. Das ist nicht nur negativ zu bewerten und hat für viele Nutzer, die erst einmal in der Anonymität Kontakte zu anderen Schwulen knüpfen wollen, viele Vorteile. Auf der anderen Seite ist damit die Sorglosigkeit gestiegen, vor allem welche Bilder die Nutzer von sich ins Netz stellen. Dabei vergessen viele, dass es eigentlich fast unmöglich ist, Inhalte, die einmal im Netz kursieren, vollkommen zu entfernen.

Die online-Fleischbeschau bei Gayromeo oder Grindr gehört allerdings mittlerweile zum festen Lifestyle und wird wahrscheinlich auch nicht durch Prism oder die Sicherheitslücken einiger Apps wieder verschwinden. Dennoch sollten User einige wichtige Dinge beachten, um die eigenen Persönlichkeitsrechte zu schützen.

  1. Am sinnvollsten teilt ihr nur Bilder, die ihr prinzipiell jedem zeigen würdet (Eltern, Freunden, Arbeitskollegen)
  2. Da der erste Tipp wahrscheinlich nicht von kaum jemand umzusetzen ist, solltet ihr darauf achten, dass ihr auf Bildern, die ihr nicht eurer Mama oder eurem Chef zeigen wollt, nicht zu identifizieren seid. Das heißt, dass ihr am besten niemals euer Gesicht darauf zeigt.
  3. Ihr solltet auf Plattformen wie Gayromeo regelmäßig eure Bilder löschen und neu hochladen, so dass sie aus den Speichern einzelner Nutzer wieder verschwinden. Gayromeo biete die Möglichkeit, Bilder in Nachrichten zu speichern. Werden die Bilder gelöscht, können sie auch in den Nachrichten nicht mehr abgerufen werden.
  4. Gayromeo lässt sich außerdem umfangreiche Rechte an euren Bildern sichern. Der Hinweis in vielen Profilen, dass man diesen Nutzungsrechten widerspricht ist aus mehreren Gründen hinfällig. Ihr habt die Nutzungsbedingungen mit der Anmeldung akzeptiert, auch die Aktualisierung der AGBs musste akzeptiert werden. Da ihr den Service von Gayromeo weiter nutzt, ist es nicht möglich einzelnen AGBs zu widersprechen. Zudem möchte ich aus rein praktischen Gründen anmerken, dass sich der Firmensitz von Gayromeo in den Niederlanden befindet. Es kann sich also jeder ausmalen, wie kompliziert es werden könnte, international gegen eine vermeintliche Bildrechtsverletzung zu prozessieren. Daher seid euch stets bewusst, welche Bilder ihr hochladet und welche Nutzungsrechte ihr Gayromeo damit einräumt.
  5. Bilder sollten niemals per WhatsApp oder per E-Mail verschickt werden. WhatsApp hat zum einen unzählige Sicherheitslücken und kann relativ einfach gehackt werden – vor allem wer ein offenes W-Lan nutzt. Zum anderen hat man über Bilder, die per Mail oder WhatsApp verschickt werden, keine wirkliche Kontrolle mehr. Ihr liefert dem Empfänger damit das Foto schon im abspeicherbaren Format.
  6. Facebook ist für Bilder generell eine kritische Plattform. Das bezieht sich auf alle Bilder, die ihr hochladet. Denn alles, was jemals auf Facebook hochgeladen wurde, bleibt Facebook für immer erhalten. Löschen im eigentlichen Sinne kann man nicht (man kann etwas nur von der eigenen Pinnwand verbergen). Ihr übertragt Facebook auch umfangreich Nutzungsrechte an euren Fotos. Zumal lassen sich die Bilder über Facebook schnell weiterteilen und die Verbreitung entfaltet oftmals schnell eine gewisse Eigendynamik. Ein wichtiger Hinweis am Rande: Da es sich bei Facebook um ein amerikanisches Unternehmen handelt, verfolgen die Betreiber auch eine sehr rigide Sexualmoral. Daher kann es schnell passieren, dass eine zu aufreizende Pose in der Badehose im Extremfall zur Sperrung des Accounts führt. Denn was sexuell anstößig ist, entscheidet Facebook alleine und unterliegt keinen klaren Regeln. Daher würde ich insgesamt davon abraten, peinliche oder aufreizende Fotos auf Facebook zu teilen.

Die Liste könnte man endlos weiterführen. Aber das sind aus meiner Sicht die wichtigsten Punkte, die ihr beim Hochladen oder Teilen von Fotos von euch berücksichtigen solltet. Dabei habe ich den Teil der möglichen Risiken, was das Teilen von Fotos fremder Personen angeht, noch gar nicht berücksichtigt. In diesem Zusammenhang möchte ich aber noch erwähnen, dass ich keine rechtlichen Hinweise geben darf und diese auch nicht als solche verstanden haben möchte. Alle Tipps entstammen alleine meiner Alltagserfahrung. Wenn ihr detaillierte Fragen zu Bildrechten habt, solltet ihr einen Anwalt konsultieren. Diesen Disclaimer wollte ich zum Schluss noch loswerden. In einem nächsten Beitrag geht es dann darum was wir sonst so alles im Internet von uns preisgeben.

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Ein Kommentar zu “„Schick mir mal ein Nacktbild“ – Über den sorglosen Umgang mit Bildern im Internet

  1. ich sehe das etwas entspannter. ich vermute, wenn du dir mühe gibst, brauchst du keine halbe stunde und hast ausreichend nacktbilder von mir. mit gesicht und schwanz. und? geschockt deswegen? entsetzt? wirst du deswegen nie auf einen meiner (hoffentlich zahlreichen) kommentare antworten?
    was ändert es, wenn ich ein nacktbild von dir sehe, mit dem großem / nomralen / kleinen ding zwischen den beinen? aha, werde ich sagen, so sieht der also aus, werde dich attraktiv finden oder nicht, werde von dir träumen und sonstige sachen mit dem bild machen …. und?
    auch mein zukünftiger chef hat schon mal einen nackten mann gesehen. und wenn der damit nicht kann … bei so verklemmten will ich schon gar nicht arbeiten.

    das einzige, worauf ich achte ist, dass die bilder gut (!) sind. kein handyknipsbild vor fleckigem spiegel im bad mit hosen auf halbmast. oder rotstichige bilder von unscharfen ständern, die gewaschen gehören und … und … und …
    ich überleg mir immer, wenn ich chef wäre, und hätte einen bewerber, der paar gute nacktbilder von sich im netzt hat und einen gleich guten bewerber, der paar bilder von der sauftour auf mallorca im netzt hat … ich glaube du weißt, wenn ich nehmen würde.

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