CSD: Demo oder kommerzielle Massenveranstaltung?

Am vergangenen Wochenende fand der CSD in Köln statt. Zu diesem Anlass besuchten mehr als 500.000 Besucher die Domstadt. Der Christopher Street Day (CSD) ist im eigentlichen Sinne eine Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern, die an diesem Tag für gleiche Rechte und gegen Diskriminierung demonstrieren. In anderen Ländern wird meistens die Bezeichnung Gay Pride verwendet.

Der Name CSD geht auf den ersten bekannten Aufstand von Homosexuellen gegen die polizeiliche Willkür in der Christopher Street in der New Yorker zurück. Ausgangspunkt war die Schwulenbar „Stonwall Inn“, die es heute noch gibt. Als ich 2009 in New York war, wollte ich mal schauen, wie die Bar aussieht, von der die weltweite Schwulenbewegung ausgeht und war ein bisschen enttäuscht. Aus der Bar hätte man deutlich mehr machen können. Aber immerhin bleibt sie auf ewig ein Stück Geschichte.

1979 wurden die ersten deutschen CSDs in Bremen und Berlin gefeiert. Zar gab es vorher schon Lesben- und Schwulendemonstrationen, aber die ersten offiziellen CSD-Paraden wurden damals gefeiert. Wie viel Politik steckt noch in dieser Veranstaltung?

Heute sind die CSDs, die nicht mehr alleine auf die Parade beschränkt sind, zu Massenveranstaltungen mit einem großen kommerziellen Potenzial. Man könnte die Frage aufwerfen, welche Besucher überhaupt noch den CSD aus politischen Gründen besuchen und welche Besucher den CSD alleine als schwul-lesbisches Straßenfest ansehen. Immer wieder wird daher kritisiert, dass das eigentliche Ziel einer politischen Demonstration für Toleranz und gegen Diskriminierung aus den Augen verloren würde und der CSD ein reine Geldmachmaschine sei. 2010 lehnte Judith Butler, Philosophin und Geschlechter-Theoretikerin, einen Ehrenpreis auf dem CSD Berlin ab, da ihr die Veranstaltung zu kommerziell geworden sei. Positiv erwähnte sie den alternativen CSD in Kreuzberg, der rein politisch und ohne Kommerze auskäme.

Die Kritik am CSD ist nicht völlig aus der Luft gegriffen, denn das Politische ist in den letzten Jahren deutlich in den Hintergrund gerückt. Ich würde bei der Bewertung aber nicht so klar zwischen Schwarz und Weiß trennen. Die Kommerzialisierung einer Veranstaltung ist dann zwingend notwendig, wenn diese eine gewisse Größe erreicht hat. Denn mit Spendengeldern alleine lassen sich solche Großevents selten realisieren. Zudem erhöht ein zunehmender Werbeaufwand auch die Wahrnehmung für diese Veranstaltung. Die CSDs in Köln und Berlin sind mittlerweile Veranstaltungen von großer Relevanz. Ich finde auch, dass man es sich zu einfach macht, dem CSD durch eine wachsende kommerzielle Bedeutung das Politische abzusprechen. Gerade wenn man sich die Debatten um die Teilnahme der CDU am Berliner CSD oder den Eklat durch die Anmeldung der rechtspopulistischen Partei „Pro Köln“ anschaut, kann man dem CSD die politische Bedeutung nicht absprechen. Gerade die Probleme um die Teilnahme der rechtspopulistischen Partei zeigen, dass der CSD weiter eine starke politische Bedeutung für Schwule und Lesben hat.

Ich finde, dass die Kommerzialisierung von politische Veranstaltungen nicht grundsätzlich schlecht ist. Die Gefahr, dass die politische Motivation dieses Events zu sehr in den Hintergrund gedrängt wird ist aber durchaus gegeben. Dennoch glaube ich nicht, dass der CSD „nur“ eine homosexuelle Kopie des Straßenkarnevals ist. Karneval bzw. Fastnacht wird heutzutage weniger aus politischen oder religiösen Beweggründen gefeiert, sondern ist mittlerweile hauptsächlich eine spaßige Veranstaltung. Der CSD hat sich in vielen Bereichen dieser Mechanik bedient, was auch seine große Anziehungskraft ausmacht. Nichtsdestotrotz finden im Rahmen der CSDs, nicht nur Paraden sondern auch Kundgebungen und öffentliche Diskussionen statt. Außerdem schafft es der CSD über das ganze Jahr verteilt Themen in der Öffentlichkeit zu setzen.

Daher würde ich sagen, dass der CSD sowohl eine politische Demonstration als auch eine kommerzielle Massenveranstaltung ist. Der Kommerz ist notwendig, die Veranstaltung so groß zu gestalten. Die politische Idee, die dem CSD innewohnt, geht dadurch aber nicht verloren. Denn alle Besucher dieser Veranstaltung teilen zumindest die politische Idee von Toleranz und Akzeptanz anderer Lebensstile.

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