Coming-Out Storys (II): Klaus Wowereit

Vor genau 12 Jahren, am 10. Juni 2001 sprach Klaus Wowereit einen der berühmtesten Sätze des neuen Jahrtausends: „Ich bin schwul, und das ist auch gut so.“ Der damalige Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters ragierte mit seinem öffentlichen Bekenntnis auf die kursierenden Gerüchte zu seiner sexuellen Orientierung. Man könnte boshaft unterstellen, dass diese Gerüchte von Wowereits Gegnern gestreut wurden, um dem Kandidaten zu schaden.  Es gab durchaus Versuche Wowereits sexuelle Orientierung öffentlich zu machen und ihm zu schaden. Im politischen Berlin war die Homosexualität von Wowereit längst kein Geheimnis mehr, nur die Öffentlichkeit wusste nichts davon. Die konservative „BZ“ recherchierte intensiv in Wowereits Privatleben und versucht Bilder zu beschaffen, die dem Kandidaten hätten „entlarven“ können. Wowereit kam hinter diesen Plan und ging mit dem Outing in die Offensive. Der Plan hätte aber durchaus aufgehen können. Denn Homosexualität und Politik galten 2001 Zeit noch ein Makel, wie ich bereits in diesem Beitrag beschrieben habe. Zwar wurde über viele Politiker insgeheim gemutmaßt, dass sie schwul seien, aber ein öffentliches Bekenntnis traute sich niemand. Die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber Homosexualität war zudem gespalten. Über 40 Prozent der Deutschen sprachen sich damals gegen eine rechtliche Verbindung von Schwulen und Lesben – die sogenannte Homo-Ehe – aus.

Daher traute sich bis dahin kein Spitzenpolitiker öffentlich zu ihrer oder seiner Homosexualität zu bekennen. Noch viel bemerkenswerter, es traute sich keiner, der noch was werden wollte. Wowereit war damals noch Kandidat, hatte keinen Amtsbonus und musst durch sein Outing fürchten, Sympathien zu verlieren. Berlin war aber für diesen Auftritt wohl die beste Bühne. Ich bin mir nicht sicher, wie die Wählerschaft in einem konservativeren Flächenland auf ein solches Outing reagiert hätte. Wowereits Outing war aber auch ein geschickter Schachzug, denn vor seinem berühmten Satz, war er lediglich 40 Prozent der Befragten bekannt. Aus diesem Grund markierte Wowereits Coming-Out eine Trendwende für schwule Spitzenpolitiker. Denn er hat bewiesen, dass man in der Politik etwas werden kann „trotz“ Homosexualität. 2013 ist Wowereit dienstältester Regierungschef in Deutschland, auch wenn das BER-Debakel im vergangenen Sommer an seinem Stuhl rüttelte.

Gesellschaftliche Veränderungen brauchen mutige Vorreiter wie Wowereit, die sich trauen öffentlich zu ihrer Homosexualität zu stehen und damit Tabus aufzubrechen. Eine lesbische Frau hat diesen Schritt in der Spitzenpolitik bisher noch nicht gewagt. Meiner Meinung nach ist das längst überfällig.

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