Keine Homo-Hasser in Talkshows mehr!

Im Zuge der Debatte um die steuerliche und rechtliche Gleichstellung der Homo-Ehe kommen nicht nur die Befürworter oder Betroffenen zu Wort sondern auch die Gegner. Das ist bei einer demokratisch geführten Debatte über ein gesellschaftlich relevantes Thema auch positiv. Doch sind die Meinungen, die die Gegner der Gleichstellung von Homosexuellen und Lesben öffentlich äußern an der Grenze zur Diffamierung. Daher möchte ich fragen: Wo hört Meinung auf und wo fängt Diskriminierung an?

David Berger, Theologe und Chefredakteur des Schwulenmagazins „Männer“ forderte vor Kurzem in einem Kommentar solche Äußerungen gänzlich aus Talkshows zu verbannen. Berger führt auf, dass in Talkshows homosexuelle Menschen als „widernatürlich Unzüchtige“ und „Perverse“ bezeichnet werden, sie seien aufgrund ihres Lebensstils „im Irrtum“ und gefährdeten den gesellschaftlichen Frieden und Wohlstand. Daneben werden teilweise stark verschwörerische Theorien angeführt, dass die tatsächlichen Ansichten der Gesellschaft durch einen „unangebrachten gesellschaftlichen Hype um das Schwulsein“ und eine einflussreiche „Homo-Lobby“ verdeckt werden.

Ist das wirklich noch Meinung? Berger argumentiert zu Recht, dass solche Äußerungen bezogen auf andere gesellschaftliche Gruppen deutlich sensibler wahrgenommen würden. Ein Politiker der NPD wird gar nicht in Talkshows des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eingeladen, um dort über sein hassgeprägtes Menschenbild zu sprechen. Diesen Politikern wird erst gar keine Bühne geboten, da ihre Meinungen als menschenverachtend oder gar volksverhetzend eingestuft werden. Wie unterschiedlich die Ansichten zu diesem Thema sind zeigt diese Antwort auf Bergers Kommentar. Der Verfasser dieses Kommentars, Steven Milverton, wirft Berger vor, die Meinungsfreiheit zu beschneiden. Meiner Ansicht nach verwechselt der Autor dieses Kommentars freie Meinungsäußerung mit dem Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Der Satz „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten“ (Art. 5, Abs.1 Satz 1 GG) wird von Berger niemals in Frage gestellt. Er fordert auch keine strafrechtliche Verfolgung für solche Äußerungen. In Deutschland wird die Meinungsfreiheit (bitte nicht verwechseln mit der öffentlichen Äußerung von Tatsachen) uneingeschränkt geschützt – und das ist auch gut so. Die Forderung von Berger ist eine ganz andere: Berger möchte, dass die Medien diesen Äußerungen keine Bühne mehr bieten, auch wenn eine krawallige Diskussion mit solchen Politikern Quote bringt.

Begründen  kann man diese Forderung mit der gesellschaftlichen Funktion von Medien. Im Print mag diese nicht ganz klar definiert sein, doch gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat eine starke, sogar gesetzlich geregelte Funktion in dieser Gesellschaft. Im Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten werden die Programmgrundsätze festgelegt. Zwar ist die Ausgewogenheit der Berichterstattung darin enthalten (was ein Argument für solche Äußerungen wäre), aber eben auch die Wahrung der Würde des Menschen. Diese sei durch Sendungen zu achten und zu schützen. Weiterhin sollen die Programme der Wahrheit verpflichtet sein. Aus diesem Grund werden NPD-Politiker, die gegen Ausländer hetzen nicht in Talkshows eingeladen und deswegen fordert Berger, Homophobe, die gegen die Würde von Schwulen und Lesben argumentieren ebenfalls  zu entfernen.

Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass sich durch eine Ausblendung solche Meinungen eliminieren lassen. Denn trotz völliger Ignoranz der Medien schaffte die NPD bei einigen Landtagswahlen den Einzug in die Parlamente. Aber auch mit dieser parlamentarischen Legitimation und dem Schutz durch Art 21 GG (auch wenn ein Verfahren kurz bevorsteht), käme niemand auf die Idee, der Partei mehr als das gesetzlich vorgeschriebene Maß (Wahlwerbung müssen die TV-Sender zeigen) am gesellschaftlichen Diskurs zu gewähren. Zu Neonazis gibt es einen stillen Konsens unter deutschen Medien, diese unter der Wahrnehmungsschwelle zu halten.

Ich frage mich daher, worin der Unterschied besteht, einen Ausländer aufgrund seiner unveränderbaren Herkunft zu diskriminieren oder einen Homosexuellen aufgrund seiner angeborenen Identität? Mir geht es überhaupt nicht darum, dass man Meinungen gegen die Homo-Ehe nicht mehr äußern dürfe, sondern dass die Argumentation nicht mit diskriminierenden Äußerungen geschehen darf. Allerdings ist mir bisher keine Argumentation gegen die Gleichstellung von Schwulen und Lesben begegnet, die im Kern Homosexuellen die gleichen Menschenrechte einräumen wie heterosexuellen Menschen auch. Die meisten Argumente, die von Homophoben in der Öffentlichkeit geäußert werden, sind meistens konstruiert. Die Ehe von Mann und Frau in besonderer Art zu schützen wird durch die Gleichstellung von homosexuellen überhaupt nicht berührt. Auch in der Frage der Adoption kann man praktisch nicht gegen gleichgeschlechtliche Eltern argumentieren als diesen alleine aufgrund ihrer Homosexualität eine Adoption zu verwehren. Diese Argumentation teilt auch die höchste Verfassungshüterin in diesem Lande und blamiert damit regelmäßig die CDU-geführte Bundesregierung. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinen Urteilen die Menschrechte immer wieder als Begründung gegen die staatliche Diskriminierung angeführt und Stück für Stück Schwulen und Lesben die gleichen Rechte gegeben (Aktuell am 7. Juni 2013 mit dem Ehegattensplitting).

Die eigentliche Frage, ob solche Meinungen einem Millionenpublikum unterbreitet werden dürfen, beantwortet der Autor Steven Milverton nicht, weil er dafür die falsche Argumentation heranzieht. Es geht nicht um die Beschneidung der Meinungsfreiheit. Es geht um die Frage, welchen Meinungen wir eine mediale Bühne gewähren und sie damit legitimieren. Jede Meinung, die öffentlich in einer Talkshow geäußert wird bekommt unwillkürlich eine gewisse Legitimation oder eine Autorität. Das dürfen und wollen sich Schwule und Lesben nicht länger gefallen lassen. In der Sache darf immer diskutiert werden, aber nicht indem Menschen diffamiert werden. Ich hoffe, dass homophobe Äußerungen in Zukunft medial geächtet werden. Einzig dafür plädiert das Kommentar von Berger und dieser Forderung möchte ich mich anschließen. Keine Toleranz für frauenfeindliche, xenophobe oder homophobe Äußerungen.

Advertisements

4 Kommentare zu “Keine Homo-Hasser in Talkshows mehr!

  1. Hat dies auf felixccaa rebloggt und kommentierte:
    sehr geil geschrieben, Danke

    ich werde in Kürze darlegen, warum ich kein Fan von „Homo-Ehe“ bin, obwohl selbst schwul und seit 30 Jahren Aktivist

  2. Es wird Zeit, dass die Lebenswirklichkeit wahrgenommen wird.
    Was bedeutet denn „Ehe“ ?
    Eine die rechtliche Verbindung zwischen zwei Menschen, sonst nichts.
    Keine Garantie für „Familie“, also dass daraus Kinder hevor gehen oder das auch nur geplant ist.
    Den Schutz von Ehe und Familie in einem Zusammenhang zu sehen, ist falsch.
    Jede Besserstellung der Ehe überflüssig.
    Familie ist da, wo Kinder aufwachsen.
    Und das findet längst in allen möglichen Lebenszusammenhängen statt.
    Allein erziehende Frauen und Männer, Ehepaare und nicht verheiratete Paare leben in Familien unterschiedlichster Art zusammen.
    Kinder brauchen liebevolle, verlässliche Bezugspersonen, eine Erfolgsgarantie hierfür gibt es bei keiner Lebensform.
    Kinder erfahren massenhaft sexuelle und andere Gewalt innerhalb ganz „normaler“ Familien, mit verheirateten, heterogeschlechtlichen Eltern, in allen Schichten.
    Immer und überall, wenn Kinder in Not sind, gehören sie mit aller Macht geschützt.
    Homosexuelle sind nicht die besseren Menschen, aber auch nicht die schlechteren.
    Sie unter einen Generalverdacht zu stellen, ist absurd.
    Wenn Menschen sich aus Liebe zusammentun, mit dem Willen Kindern eine gute Basis zu bieten, dann haben sie jede Unterstützung verdient.
    Dabei spielt die sexuelle Orientierung der Eltern keine Rolle.
    Wem schadet es denn, wen geht es überhaupt etwas an?
    Das Problem sind doch nicht die homosexuellen Beziehungen, sondern die Umgebung. Leute, die sich allzusehr für die Sexualität anderer interessieren und nicht müde werden sich wort- und phantasiereich darüber auszulassen, müssen sich vielleicht lassen, was bei ihnen selbst nicht stimmt.

  3. Mir ist es auch unerklärlich, welches Trara von verschiedenen Seiten gemacht wird. Manche Kommentatoren, meistens mit kirchlichem Hintergrund, verhalten sich so, als ob mit der Ehe für Schwule und Lesben alle Hetero-Paare zwangsgeschiedenen und ihre Kinder meistbietend an die LGBT-Community versteigert werden.
    Vermutlich ist es wieder einmal Angst, die Angst, selber als Kirche und Religion nicht mehr wahrgenommen zu werden. Und dann muß man mal wieder seine 5000 Jahre alten Ansichten hervorkramen.
    Aber wer braucht schon die geweihten Röckchenträger für sein Leben? Ich nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s