Einfach göttlich! Die Faszination Diva

Schwule lieben Frauen! Zwar nicht auf die gleiche Weise wie es heterosexuelle Männer tun, aber für eine besondere Form der Weiblichkeit hegen schwule Männer eine ganz besondere Faszination – die der Diva. Der Begriff Diva kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Göttliche“ und wird heute vornehmlich für Künstlerinnen verwendet, die in ihrem Fach besondere Qualitäten haben und als die unerreichbare Perfektion gelten. Die Wikipedia sagt über den Gebrauch des Begriffes,  dass dieser ab Mitte des 19. Jahrhunderts in der deutschen Sprache für Künstlerinnen verwendet wurde. Heute ist eher der Begriff Star üblich und Diva wird für eine besonders herausragende Künstlerin eines Fachs verwendet.

Allerdings haftet der Diva auch das Image der glamourösen Zicke an, die sich mit abgehobenen Forderungen und einer Entourage, die einem Hofstaat gleicht, von der Lebensrealität entfernt hat. Dies ist allerdings nicht der „Typ“ Diva, um den es in diesem Artikel gehen soll und der von Millionen schwulen Männern bewundert wird.

Für die meisten anderen erscheint es möglicherweise paradox, dass Schwule zwar Frauen als Partner „verschmähen“ aber in hingebungsvoller Art von Diven schwärmen. Daher möchte ich versuchen zu erklären woher diese Faszination bei vielen (natürlich nicht allen) Schwulen für das Phänomen Diva kommt.

Was fasziniert Schwule an Diven?

Die Gründe für diese Bewunderung sind in der unterschiedlichen Wahrnehmung von Frauen durch schwulen Männer zu suchen. Denn das „Göttliche“ einer Diva ist für die meisten heterosexuellen Männer nur schwer nachzuvollziehen. Für sie sind Frauen das „Objekt ihres Begehrens“, so schreibt Jan Feddersen in einem Beitrag für die Taz.  Diese Form des Bewunderung hat völlig andere Motive als bei homosexuellen Männern. Feddersen argumentiert daher weiter, dass schwule Männer „das Fach der Diva erfunden“ haben, weil für sie Frauen „keine Muttis und keine Freundinnen sind, aber Hoffnungsträgerinnen“. Schwule Männer sehen in diesen Künstlerinnen eher die Perfektion ihres künstlerischen Schaffens und machen diese erst zur Diva. Mit der Art des Benehmens einer Künstlerin hat der Begriff daher wenig zu tun. Das ist wie ich finde eine schöne Beschreibung und eine interessante Erklärung, warum Schwule für Diven schwärmen. Der Hang zu Glamour und eine perfekt inszenierte Außendarstellung ziehen schwule Männer ebenso an.

Diven kennen ihre Zielgruppe

Die meisten Diven in der Geschichte wussten mit dieser Faszination geschickt umzugehen und kokettierten damit. Das begann schon bei Marlene Dietrich und wird bis in die Neuzeit von Künstlerinnen wie Lady Gaga (ihre schrillen Auftritte und ihr großes künstlerisches Talent machen auch aus ihr eine Diva) fortgeführt. Lady Gaga begann ihre Karriere sogar in der Schwulenszene und sprach in den vergangenen Jahren offen über die Verdienste ihrer schwulen Fangemeinde. Aber auch andere Diven haben ihr Zielgruppe erkannt und solidarisierten sich mit ihren homosexuellen Bewunderern.  Einige setzten sich sogar aktiv für deren Rechte ein. Für die Diva sind Homosexuelle eine besonders angenehme Sorte Fan, da sie von ihnen zu keiner Zeit befürchten muss bedrängt zu werden, sich die Bewunderung also alleine auf ihr Schaffen konzentriert. Damit bleibt immer eine gewisse Distanz bewahrt.

Die Faszination, die eine Diva ausmacht, ist somit eine Mischung aus allen Punkten: Die stark betonte Weiblichkeit, der Charakter des Unnahbaren und vor allem das große künstlerische Talent. Jede Zeit hat ihre eigenen Diven hervorgebracht, wobei die Faszination für Diven in den 50er und 60er-Jahren eine andere Bedeutung hatte als heute. Damals war es nicht so einfach zur eigenen Identität zu stehen. In diesen Zeiten der Unsicherheit hatte die Bewunderung mit Diven eine sinnstiftende Funktion. So wurde beispielsweise das Lied „Over the Rainbow“ zum Symbol der Schwulenbewegung (regenbogenflagge). Der Tod der Interpretin Judy Garland gilt zudem als Auslöser der Schwulenproteste von Stonewall. Denn als der Leichnam 1969  nach New York überführt werde sollte, reisten viele Schwule nach New York, um den Trauerzug zu begleiten. Zu dieser Zeit kam es in New Yorker Schwulen Clubs vermehrt zu Razzien, da Homosexualität unter Strafe stand. Wenige Tage nach der Beerdigung von Judy Garland wehrten sich Schwule, Lesben und Transgender das erste Mal gegen die willkürlichen Razzien der New Yorker Polizei. Auch wenn die kausale Beziehung der Ereignisse nicht klar belegt werden kann, hat sie trotzdem einen gewissen Symbolcharakter. Die Bewunderung für Diven verband viele Schwule im Geheimen miteinander.

Heute wird der Begriff Diva, wie ich finde,  sehr leichtfertig vergeben und vor allem für Frauen verwendet, die sich besonders exzentrisch verhalten. Jennifer Lopez oder Paris Hilton haben kein „göttliches“ Talent. Sie stehen in der Öffentlichkeit, haben Erfolg und tun sich mit exzentrischem Verhalten und unverhältnismäßigen Forderungen hervor, sind aber keine Diven.

Eine Diva ist, wie ich beschrieben habe, eine Künstlerin mit einem herausragenden Talent, deren Werke die kurze Epoche ihres Schaffensüberdauern werden. Über Geschmack, welche Diva letztlich die beste ist, lohnt es aber nicht zu streiten. Ob nun Madonna, Celine Dion oder Cher die größeren Diven sind, ist letztlich jedem selbst überlassen. Alle dieser Künstlerinnen haben sich über Jahre hinweg in der Musikindustrie behauptet und haben ein unvergleichliches Talent. Ihr Werke und ihr Schaffen sind schon jetzt unsterblich.

Whitney & Mariah

Meine persönliche Diven sind Mariah Carey und Whitney Houston (1963 bis 2012). Besonders bei Whitney Houston zeigt sich aber auch die Tragik einer Diva. Durch Drogen und Abstürze gezeichnet versuchte Whitney 2009/2010 ihr Comeback mit einer katastrophalen Tour. Die Erwartungen an ihre frühere Perfektion konnte Whitney nicht erfüllen. Ihr Tod im Hotelzimmer war der traurige Tiefpunkt eines beispiellosen Absturz. Letztlich werden aber eher die Bilder ihrer großen, perfekten Auftritte in Erinnerung bleiben, die sie einst zur Diva gemacht haben. Auch Mariah Carey musste Anfang des neuen Jahrtausends einen Absturz verkraften. Damals floppte ihr erster Kinofilm und das dazugehörige Album. Doch 2005 schaffte sie, was Whitney verwehrt blieb – ein eindrucksvolles Comeback. Mit 18 US Nummer-1-Hits ist Carey nach den Beatles die erfolgreichste Künsterlin der amerikanischen Charts. Gerade Mariah ist die personifizierte Diva, da sie neben ihrer unfassbaren Stimme in der Öffentlichkeit besonders wegen ihrer abstrusen Forderungen bekannt ist. Die Schwierigkeit die aber Diven der Neuzeit haben ist, dass ihr Leben viel öffentlicher ist als das noch in den 50er und 60er Jahren war. Entgelisungen, Abstürze und Schwächen lassen sie weniger „göttlich“ erscheinen, sondern eher menschlich. Für mich persönlich sind beide Sängerinnen, trotz ihrer wenig perfekten Lebensläufe, die größten Diven der letzten 25 bis 30 Jahre. Das künstlerische Highlight ihrer beider Karrieren ist der gemeinsame Auftritt bei Oprah Winfrey 1998, bei dem sie den gemeinsamen Song „When You Believe“ sangen.  Aber, wie bereits gesagt, über Geschmack sollte man nicht streiten.

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