Will & Grace – Darstellung schwuler Stereotypen II

Hey zusammen,

in einem vorangegangenen Post habe ich mich mit der Darstellung von Homosexuellen in Bullys Kassenerfolg „Traumschiff Surprise“ befasst. Ich will mich aber nicht dem Vorwurf aussetzen lassen, dass man Schwule nicht satirisch darstellen dürfe bzw. keine Stereotype (Danke an eine Aufmerksame Leserin für den korrekten Plural) verwenden.

Denn der Witz in einer Komödie entsteht natürlich durch klischeehafte Inszenierung. Damit eine Komödie aber auch für den „Betroffenen“ witzig ist, sollte die Darstellung treffend sein. Ich habe wirklich lange nachgedacht, ob ich ein anderes Beispiel finde, das diese Kriterium ähnlich gut erfüllt, aber die einzig wirklich gute Darstellung von Schwulen in Film und Fernsehen ist die Serie Will& Grace, die im Original von 1998 bis 2006 auf NBC lief. In Deutschland wurde die Serie schändlicherweise ab der achten Staffel im Nachtprogramm von Sat1 versendet. Bis heute sind in deutscher Sprache nur die ersten drei Staffeln auf DVD erschienen.

Worum geht es?

Es geht um die Freundschaft der beiden Hauptcharaktere Will Truman (schwule) und Grace Adler (hetero). Die Verbindung der beiden beginnt schon im College, wo sie zunächst eine Liebesbeziehung führen. In dieser Zeit lernt Will auch seinen besten Freund, den „tuntigen“ Jack McFarland kennen, der ihn immer wieder dazu drängt endlich zu seiner Homosexualität zu stehen. Doch Will & Grace verloben sich zunächst (bzw. die Panik treibt Will dazu einen Heiratsantrag zu machen). Doch kurz darauf outet sich Will bei Grace. Danach trennen sich zunächst ihre Wege. Nach einem Jahr treffen sich die beiden in einem Supermarkt wieder, Will steht mittlerweile offen zu seiner Homosexualität, und sie werden beste Freunde.

Damit beginnt aber erst der eigentliche Plot, von dem ich aber nicht zu viel verraten mag.

So viel muss aber noch erwähnt werden. Neben den beiden Hauptcharakteren geht es auch um das Gespann Jack McFarland und Karen Walker. Er ist Wills bester Freund und erfüllt so ziemlich jedes Klischee des tuntigen Schwul – ist laut sprunghaft und überdreht. Sie ist Millionärsgattin, Alkoholikerin und abhängig von Tabletten und zudem die wenig engagierte Assistentin in Graces Büro. Im Verlauf der Serie wird sie zu Jacks bester Freundin.

Jack die Tunte ist also nicht beleidigend?

Warum sind Will & Grace im Gegensatz zu Bullys Bück-dich-Witz-Klamauk lustig und nicht beleidigend? Ganz einfach: Diese Parodie ist zutreffend und stellt Schwule nicht eindimensional als unmännlich und lächerlich dar. Auch wenn Jack weiblich, sprunghaft, orientierungslos und oberflächlich ist, repräsentiert er nur ein Extrem der schwulen Welt. Das wird offensichtlich, wenn man die anderen Schwulen Charaktere in der Serie betrachtet. Denn ihm wird der geerdete, erfolgreiche Anwalt Will gegenübergesetzt. Anders als Jack ist Will auf der Suche nach Partnerschaft, Solidität und Familie – Eigenschaften, die man Schwulen so nicht zugeschrieben hätte. Immer wieder taucht zudem ein schwules Pärchen auf, das sich beinahe wie ein altes verheiratetes heterosexuelles Ehepaar verhält. Die Parodie der schwulen Welt bewegt sich also auf der Ebene zwischen beiden Extremen. Daneben wird auch immer wieder schön gezeigt, dass beide Lebensstile sich nicht ausschließen und gezeigt, warum die beiden Freunde so gut zusammenpassen und sich ergänzen.

Ich muss gestehen, dass ich mich in Teilen in beiden Charakteren durchaus wiedererkennen kann und das macht aus der Darstellung eine wirkliche gute Parodie: z.B. Die teilweise extreme Besessenheit von gewissen Popsängerinnen wie Cher oder das Desinteresse an Profisport, das wirklich sehr charmant parodiert wird. Eine detaillierte Aufzählung würde aber den Rahmen sprengen. Was die Macher von Will & Grace aber anders, bzw. besser machen als Bully ist, dass sie den schwulen Lebensstil verstanden haben und treffend darstellen. Auch wenn die Charaktere überdreht und überzeichnet sind und in dieser Form nicht im realen Leben vorkommen würden (ich möchte es jedenfalls nicht hoffen) sind sie dennoch authentisch. Man kann sich zumindest vorstellen, dass diese Personen so ähnlich real existieren könnten. Darin liegt der große Unterschied zur schlechten Parodie.

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