„Achtung, da kommt was heißes von hinten!“ – stereotype Darstellung von Schwulen in der Öffentlichkeit (I)

In diesem Beitrag geht um das liebe Klischee! Denn Stereotypen lassen sich einfach besser an das Publikum vermitteln. Das ist prinzipiell nicht schlimm, denn ein bisschen Schubladendenken gehört zum Menschen dazu und es ist doch manchmal ganz erhellend wenn man sich in den dargestellten Klischees wiederkennt. Der gebildete Zuschauer weiß mit den parodierten Stereotypen auch umzugehen. Stereotypen prägen aber auch das Bild, das wir von den dargestellten Personen bekommen. Darin liegt auch die Verantwortung. Eine gut gemachte Parodie ist darum umso wertvoller. Ein Meister dieses Faches war, meiner Meinung nach, Loriot, der sich über den deutschen Spießbürger in einer treffenden Weise lustig machte.

Bei gesellschaftlichen Minderheiten, gerade solchen, die immer noch diskriminiert werden, ist dabei besonderes Fingerspitzengefühl gefragt. Allerdings darf prinzipiell Parodieren jeder parodieren. Besser ist es natürlich, er gehört zur selben Gruppe dazu, über die er sich lustig macht. Dann setzt er sich gar nicht dem Verdacht aus, es könnte als Beleidigung gemeint werden. Außerdem macht Selbstkritik ja auch sympathisch. Schwule werden, wenn sie dargestellt werden, In den aller meisten Fällen stereotyp als „Tunten“ dargestellt. Das hat das Bild der Gesellschaft über Homosexuelle maßgeblich gestaltet – und darin liegt das Problem.

Auch wenn die einfachste Form der Darstellung von Schwulen in der Öffentlichkeit die „Tunte“ ist. sollte man damit vorsichtig sein. Denn ein Mann mit schriller Stimme, sehr weiblichen Eigenschaften und dem klischeehaften „gebrochenen Handgelenk“ ist sicherlich für ein bereites heterosexuelles Publikum lustig, Schwule könnten das aber als beleidigend wahrnehmen. Vor allem, da es nicht die Mehrheit der Schwule darstellt. Bei Lesben werden übrigens häufiger so genannte „Mannsweiber“ dargestellt, die sich besonders aggressiv gerieren. Diese Form der Darstellung zieht Homosexualität oftmals ins Lächerliche. Das transportierte Bild ist stark verkürzt und spricht homosexuellen Männern ihre Männlichkeit ab. Ich würde interessieren wie die meisten heterosexuellen Männer darauf reagieren würden, spräche man ihnen ihre Männlichkeit auf die gleiche Weise ab.

Mit dieser einfachen Form der Darstellung landet man schnell in der Mario Barth-Ecke „Frauen können nicht einparken und kaufen nur Schuhe“. Ich will das aber nicht vollkommen verdammen, denn auch die Darstellung eines tuntigen Charakters kann witzig sein – wenn sie gut gemacht ist. Mein Favorit dabei ist die Figur „Jack“ aus der amerikanischen Sitcom „Will & Grace“. Auf positive Darstellungen will ich aber erst in dem nächsten Beitrag eingehen.

Bestes Beispiel für die schlechten Darstellungen ist der auf 83 Minuten ausgedehnte „Bück-dich“-Witz von Michael „Bully“ Herbig – „Traumschiff surprise“. In diesem Film werden Schwule als weiblich und lächerlich dargestellt. Auch im Vorgänger „Der Schuh des Manitu“ zeigt Bully, dass für ihn Schwule vor allem eins sind – Tunten. In Traumschiff surprise dehnt er diese Darstellung aber über den gesamten Film aus. Die Kritik an diesem Film war aus der Schwulen-Community damals heftig. Ein Kritiker war Ralf König („Der bewegte Mann“): „Dieser Film ist ein endloser Detlev-Witz in High-Tech. Erkläre mir einer den Unterschied zu den diskriminierenden Schwulenwitzen der 70er Jahre! Bei „Traumschiff Surprise“ tucken drei Schwuchteln 90 Minuten durch den Weltraum, und Til Schweiger gibt den Hetero. Natürlich darf man sich über Tunten, über Schwule lustig machen. Das mache ich ja selbst seit 28 Jahren! Aber doch nicht so eindimensional.“

Doch was ist genau so diskriminierend an dieser Darstellung?

Natürlich verkürzen Parodien auf bestimmte Charakterzüge und natürlich werden in einer Komödie Charaktere als lächerlich dargestellt. Wenn das nicht zu akzeptieren wäre, könnte man keine Komödien mehr produzieren. Der Unterschied zwischen einer lustigen Parodie und einer beleidigenden Darstellung ist, dass die lustige Parodie eine treffende Darstellung von Klischees ist. Da bin ich wieder bei Loriot. Der kannte das deutsche Spießbürgertum, hat die Widersprüche kleinbürgerlicher Familien erfasst und wirklich treffend dargestellt. Bully zeigt mit seinen Filmen, dass er von Schwulen absolut nichts versteht. Die Darstellung beschränkt sich auf näselnde tuckige Männer, die Sätze sagen wie „Achtung, da kommt was heißes von hinten“. Als Kontrast wird den drei tuckigen Figuren der Ober-Macho Til Schweiger gegenübergesetzt, der das Männlich in diesem Film verkörpern soll und natürlich von allen drei abgegraben wird. Wirklich absolut unrealistisch. Diese Darstellung sowie der komplette Film sind undurchdacht und schlecht. Zudem ärgert mich, dass so ein Film an den Stammtischen der Republik ein Schwulenbild vermittelt, das nur noch mehr Ressentiments schürt. In einigen Teilen der Gesellschaft ist das Schwulenbild besonders schlecht, wie ich in diesem Artikel geschrieben habe. ich Wehre mich, dass sich ein Bild manifestiert, Schwule seien unmännlich und weich. Das wird aber durch diesen Film vortrefflich befördert.

Ein versöhnlicher Satz zum Schluss: „Bully und Rick“ war eine echt lustige TV-Show. Von der Darstellung homosexueller Charakter sollte Bully aber zukünftig die Finger lassen, denn er kann es nicht.

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