Gegen die wachsende Frankophobie

Hallo zusammen,

wer derzeit die Nachrichten sieht, der wird mit den heftigen Protesten einiger Homo-Ehe-Gegnern aus Frankreich konfrontiert, die sich teilweise auch in gewalttätigen Übergriffen auf Schwule und Lesben äußern.

Diese Bilder sind nicht schön, sie verzerren aber in meinen Augen die Wahrnehmung, denn immerhin ist Frankreich das 14. Land weltweit, das die gleichgeschlechtliche Ehen mit heterosexuellen Ehen gleichsetzt. Damit sind die Franzosen deutlich weiter als Deutschland. Außerdem ist die Mehrheit der Bevölkerung für die Gleichstellung der Rechte.

Doch in der öffentlichen Diskussion wird hauptsächlich berichtet, dass z.B. die die konservative Opposition nach der Verabschiedung des Gesetzes eine Verfassungsklage einreichte oder dass in den vergangenen Wochen  Hunderttausende Franzosen gegen das Regierungsprojekt mit Steinen und Feuerwerkskörpern protestierten.

Wir müssen uns keine Illusionen machen, dass es auch Gegner der Gleichstellung gibt und zwar in jedem Land. In Frankreich sind Proteste gerade aus der sozialen Unterschicht in den Banlieus (Vororten) von Paris traditionell heftig. Ich behaupte, dass sich in den Protesten vor allem eins entlädt: Frust über die schlechte wirtschaftliche Lage und die soziale Ungleichheit.

Wie ich aus meinem Medienwissenschaftsstudium mitgenommen habe wirken Bilder von gewaltsamen Protesten stärker als Zahlen und nüchterne Fakten, aber es scheinen noch nicht alle verstanden zu haben: Die Proteste werden von einer radikalen Minderheit geführt! Das ist zwar traurig, aber auch diese Proteste werden sich legen.

Was mich hingegen schockiert hat ist die wachsende Frankophobie, die ich in letzter Zeit häufiger wahrgenommen habe. Den Begriff „Froschfresser“ habe ich vor allem auf Facebook in öffentlichen Gruppen oder geschlossenen Diskussionen unter Bekannten von Schwulen in letzter Zeit gelesen sowie die Äußerung, dass Frankreich für Schwule und Lesben erst mal gestorben sei.

Ich habe das Gefühl, dass sich in solchen Äußerungen bestehende antifranzösische Ressentiments entladen. Denn ich kann es nur wiederholen: Hier protestiert nicht die französische Nation, sondern eine gesellschaftliche Minderheit. Über die Demonstrationen für die Homo-Ehe berichtet kaum einer. Das ist in meinen Augen schade. Es entsteht das Bild, man könnte sich als Homosexueller nicht mehr nach Frankreich trauen. Angst muss aber wirklich niemand haben. Denn in den meisten Regionen Frankreichs kann man sich als Homosexueller sicher und völlig angstfrei bewegen. Auch in einigen Teilen Frankfurts oder Berlins möchte ich mich nicht offen als Schwuler zeigen. Diskriminierung und gewalttätige Übergriffe gegen Schwule sind kein französisches Problem, sondern gibt es traurigerweise in ganz Europa. Nur jetzt wird darüber eben vermehrt berichtet.

Ich gebe zu, dass die Stimmung in Frankreich aufgeheizt ist. Das liegt aber eher an der schlechten wirtschaftlichen Zukunftsperspektive des Landes und nicht an einem tiefen gesellschaftlichen Hass gegenüber Schwulen und Lesben.

Über die Gründe der heftigen Proteste kann man gerne streiten, auch wenn ich das nicht so tragisch sehe, aber das Wort „Froschfresser“ möchte ich (generell) nicht mehr lesen. Ich möchte mich auf das Positive konzentrieren. In Frankreich ist die Homo-Ehe gleichgestellt: Vivé la France!

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