Facebook weiß, dass du schwul bist

Auszug meiner Facebook-Likes

Auszug meiner Facebook-Likes

Zeigt mir eure Like-Liste und ich sage euch, wer ihr seid. Vor allem aber wen ihr wählt, was ihr glaubt und wen ihr liebt. Like-Listen auf Facebook sind entlarvender als vielen lieb ist, wie eine Studie des PNAS herausfand. Neben der Unterscheidung zwischen Weißen und Afroamerikanern konnten die Forscher mit einer Genauigkeit von 88 Prozent vorhersagen, ob ein Mann homo- oder heterosexuell war. Kurioserweise war die Genauigkeit bei Frauen mit 75 Prozent deutlich kleiner. Dennoch fanden die Forscher heraus, dass sich das „Like“-Verhalten beider Gruppen hinreichend unterscheiden würde, um eine Prognose bezüglich der sexuellen Orientierung zu treffen. Das sollte uns alle ernsthaft beunruhigen. Denn die Wahrscheinlichkeit, ob ein Mann schwul ist, lässt sich anscheinend an den Interessen messen (Hier geht’s weiter zum Thema: typisch schwul). Denn die sexuelle Einstellung ist ein Teil der Privatsphäre, der nicht jedem offen zugänglich sein sollte. Ein Thema, mit dem man sich zukünftig genauer auseinander setzten muss.

Die Tatsache, dass über Facebook auf die sexuelle Orientierung geschlossen wird, ist nicht neu. Bereits 2009 sorgte die Facebook-App für Aufregung, die vorhersagen sollte, ob ein Mann schwul sei oder nicht. Dabei wurde die Zahl der offen homosexuellen Personen in der Freundesliste als Indikator herangezogen. Die App diente nach eigenen Angaben eher der Unterhaltung, dennoch war die Kritik groß. Das Missbrauchspotenzial dieser App ist groß: Nicht nur, dass Menschen eventuell geoutet werden könnte, die nicht geoutet werden wollen, ist die Fehlerwahrscheinlichkeit groß.

Eine weitere Studie des Max-Planck- Institutes fand heraus, dass bestimmte Werbeanzeigen nur homosexuellen Männern gezeigt werden. Herausgefunden hatten die Forscher den Effekt, indem sie schwule und heterosexuelle Fake-Accounts auf Facebook anlegten. Den schwulen Accounts wurden beispielsweise Anzeigen für Schwulenbars angezeigt, die den heterosexuellen nicht angezeigt wurden. Aber nicht nur offensichtlich schwule Anzeigen wurden eingeblendet sondern auch vollkommen unverfängliche Anzeigen. Eine genauere Beschreibung habe ich schon mal in diesem Artikel gegeben. Die Gründe dafür kann man nicht abschließend klären. Letztlich liegt die Einblendung einer Werbeanzeige bei Facebook aber an der vorher durch den Werbetreibenden definierte Zielgruppe. Warum manche Werber explizit homosexuelle Männer ansprechen wollen, ist nicht ganz klar. Dennoch sollte jedem Nutzer von Facebook klar sein, dass er, sobald er auf eine Anzeige klickt, wertvolle Daten, auch die über seine sexuellen Präferenzen an den Werbetreibenden übermittelt. In meinen Augen nicht ganz unkritisch.

Der Fakt, dass Werbetreibende Daten über die Zielgruppe erheben, ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits können sie dadurch bessere und zielgenauere Werbung gestalten und den Kunden die Informationen bereitstellen, die sie auch wirklich interessieren. Massenaussände mit nervigen Werbebotschaften wären vorüber. Auf der anderen Seite bieten gerade sensible Daten über die sexuelle Orientierung oder die religiöse Einstellung die Gefahr von Missbrauch. Was geschieht mit meinen Daten, wer kann diese einsehen und wer kontrolliert den Werbetreibenden eigentlich? Sollte man hierfür nicht eine Einverständniserklärung einblenden, dass ein Klick auf diese Anzeige zu einer Übermittlung von Daten führt?

Ich habe darauf keine abschließende Antwort. Ich möchte mich aber in Zukunft öfters dem Thema Datensicherheit widmen und den Folgen für unser tägliches Leben.

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