Wer Gleichstellung will, muss sich engagieren!

Dieses Logo prangt auf mehr als 100.000 Facebook-Seiten.

Hey zusammen,

heute Morgen sind mir all diese neuen roten Gleichheitszeichen aufgefallen, die sich einige meiner Freunde als Profilbilder verpasst haben.

Ich gebe zu, dass ich mich genervt gefragt habe, welche Aktion jetzt schon wieder unterstützt werden soll. Nach ein bisschen Googeln fand ich dann heraus, was hinter dieser Aktion steckt:

Die Aktion wurde initiiert von einer US-amerikanischen Bürgerrechtsorganisation als „Human Rights Campaign“. Die Gleichheitszeichen auf rotem Grund stehen für gleiche Rechte für Homosexuelle. Im konkreten Fall geht es um die Gleichstellung der so genannten Homoehe.

Im Prinzip stehe ich zu den Aussagen!

EXKURS: Worum geht es eigentlich

Hintergrund der Kampagne sind die Ereignisse in den USA, aber auch in Deutschland ist das Thema Gleichstellung auf der politischen Agenda. Jedenfalls berät aktuell der Oberste Gerichtshof in den USA über die Frage der Gleichstellung von Lesben und Schwulen. Positiv ist, dass sich die Situation in den USA in den letzten Jahren zugunsten von Homosexuellen geändert hat. In einer Analyse der New York Times sprachen sich mehr Menschen für die Homoehe aus als dagegen. Damit ist die Zahl der Befürworter erst mal über 50 Prozent. Trotzdem ist in den meisten amerikanischen Bundesstaaten die Homoehe verboten.

Amerikas höchstes Gericht in Washington entscheidet in den kommenden Tagen über zwei Dinge. Zum einen über den Verfassungszusatz „Proposition 8“. 2008 stimmten die Kalifornier in einem  Referendum dafür, dass nur heterosexuelle Ehen gestattet sein sollen. Damit sind Ehen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern ausgeschlossen. Zum anderen entscheiden die Richter am Suprem Court über das „Defense-of-Marriage“-Gesetz, das seinerzeit US-Präsident Bill Clinton eingeführte, nun aber selbst fordert, man möge dieses abschaffen. Dieses Gesetz soll heterosexuelle Ehe „schützen“, in dem die Bundesregierung der USA Ehen von Homosexuellen und Lesben nicht anerkennt. Danach sind Lesben und Schwule bei allen wichtigen Dingen wie Steuer, Versicherung und Erbschaft benachteiligt.

Mit den neuen Profilbildern zeigen viele Homos, Lesben und auch Heterosexuelle  Solidarität für die Kampagne, denn Gleichstellung ist ein Thema weltweit.

Das Problem an solchen Aktionen ist allerdings, dass es zwar Aufmerksamkeit erzeugt, wenn vermehrt Menschen ihr Profilbild in ein kryptisches Symbol ändern, aber die Erklärung zu den Bildern fehlt, es sei denn man googelt den Bildern hinterher. Damit verpufft der Effekt relativ schnell.

Zudem ist es nichts mehr „Neues“. In regelmäßigen Abständen ändern wechselnde Gruppen in meiner Facebook-Freundesliste ihre Profilbilder in Symbole oder fügen ein Banner hinzu, um mehr oder weniger sinnvolle Aussagen zu verbreiten. Ja, jetzt weiß jeder, dass wir für die Gleichstellung von Homosexuellen und Lesben sind – und nun? Ändert sich etwas an der Politik? Ich behaupte, dass das nicht der Fall ist. Eventuell reagieren viele genervt, davon, dass die nächste „Kommt macht alle mit“-Aktion auf Facebook rumgeht.

Mittlerweile bin ich fast gleichgültig oder genervt, wenn solche Aktionen über Facebook geteilt werden. Wer wirklich politisch sein will, der muss sich politisch engagieren und der muss klare inhaltliche Akzente setzen!

Wer politisch etwas erreich will, der muss in Dialog treten: Facebook bietet dazu die Möglichkeit. Schreibt konservativen Politiker auf ihre Facebook-Seiten und konfrontiert sie mit ihrem antiquierten Menschenbild und ihren schlecht begründeten Meinungen. Und vor allem: GEHT WÄHLEN! Und wenn euch das Thema Gleichstellung so wichtig ist, dann ist schwarz-gelb die falsche Option.

Ich will diese Aktion aber nicht völlig kleinreden und schlecht machen, aber ich möchte ein Bewusstsein wecken, dass das Aussenden kryptischer Botschaften an ein disperses Publikum nicht viel bringt. Die modernen Kommunikationskanäle bieten uns die Möglichkeiten direkt mit den entscheidenden Menschen in Dialog zu treten. Darum sollten wir es nutzen.

In diesem Sinne sind alle eingeladen, dass auch auf dieser Plattform zu tun. Ich bin gespannt.

 

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