Das Coming-Out

Hey zusammen,
In diesem Beitrag möchte ich mich mit einem Thema auseinandersetzen, das alle Schwulen bewegt: Das Coming-Out. Vielleicht steht dir kurz davor, zu euch selbst zu stehen oder habt es schon längst hinter euch. Der Zeitpunkt, an dem das Versteckspielen aufhört, an dem ihr keine neuen Lügen über die eigene Identität erfinden müsst. Für mich war das Coming-out einer der wichtigsten Schritte in meinem Leben.

Doch was ist eigentlich so schwer daran? Was macht es so schwer zu sich selbst zu stehen? Warum leugnen wir über Jahre hinweg unsere Identität? Die Antwort ist nicht ganz einfach und nicht pauschal zu beantworten und jeder hat bestimmt seine ganz individuellen Gründe. Generell glaube ich aber, dass viele Angst haben vor Diskriminierung, vor Ausgrenzung oder schlicht vor dem Anderssein.

Klar ist es heute einfacher sich zu outen als noch vor 30 Jahren. Nichtsdestotrotz ist „Schwule Sau“ das häufigste Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen und nicht nur dort müssen Homosexuelle Diskriminierung fürchten. Das Wort „schwul“ ist mittlerweile zum Synonym für „scheiße“ geworden, für alles, das nicht richtig ist. Wie häufig homosexuelle Beschimpfungen stattfinden, zeigt sich auch im Internet: Diese Internet-Initiative zählt die Häufigkeit aller schwulenfeindlichen Beschimpfungen, die über Twitter geteilt werden http://www.nohomophobes.com/#!/today/. Sekündlich tauchen neue Tweets mit homophobem Inhalt auf. Ich möchte damit einfach nur zeigen, dass es nicht selbstverständlich ist zu seiner Sexualität zu stehen. Dieser Schritt erfordert Mut und eine große Portion Selbstvertrauen.

Das Coming-out erfolgt in der Regel in zwei Schritten: erstens dem inneren Outing und zweitens dem Schritt an die Öffentlichkeit. Das innere Outing beschreibt die Phase der Selbstfindung. In dieser Zeit setzt sich jeder sehr intensiv mit seiner Identität auseinander, lehnt sie zunächst ab und verzweifelt an sich bis man das eigene Ich endlich akzeptieren kann. Wie lange habe ich nur für diesen Schritt gebraucht! Ich hatte Angst davor Außenseiter zu werden und ich wollte so sein wie alle anderen auch. Daher hat es bei mir ganz besonders lange gedauert, bis ich zu meiner Identität stehen konnte. Einige werden diesen Schritt nie schaffen. Aktuelle Studien haben ergeben, dass das Selbstmordrisiko bei schwulen Jugendlichen um ein Vielfaches höher ist als bei heterosexuellen gleicher Altersstufe. Wer sich selbst akzeptiert, für den ist alles weitere eigentlich kein Problem mehr. Denn nach dem inneren erfolgt das, was die Öffentlichkeit unter dem Outing versteht – das offene Bekenntnis zur eigenen Homosexualität. Dieser Schritt erscheint vergleichsweise schwierig, dennoch ist die Akzeptanz der eigenen Identität um ein vielfaches schwieriger als an die Öffentlichkeit zu gehen.
Ich gebe zu, die Schwierigkeiten eines Outings hängt davon ab, in welchem Umfeld man lebt.

In einem stark konservativ geprägtem Umfeld fällt es natürlich deutlich schwerer offen zu eigene Identität zu stehen als in einer liberalen Umgebung. Ich hatte das große Glück, in einer sehr liberalen Umgebung groß zu werden. Doch letztlich kommt es nicht darauf an, wer alles von Eurer Homosexualität weiß. Egal ob ihr es im Job unter Verschluss haltet, es einige Freunde verheimlicht oder vor den Eltern versteckt, die Akzeptanz von euch selbst ist das wichtigste bei eurem Outing.

Ich weiß, dass dieser Artikel sehr kurz und daher auch nur sehr oberflächlich das Thema Outing behandelt. Ich hoffe aber, dass diejenigen unter euch, die sich gerade in diesem Prozess befinden, Mut schöpfen konnten. Bei allen anderen möchte ich um Verständnis werben, warum wir so einen großen Wind um dieses Coming-out machen. Warum wir irgendwann voller Stolz an
die Öffentlichkeit gehen und es verkünden.

Ich bin gespannt auf eure Coming-out Storys, aber auch auf eure Kommentare und Anregungen zu meinem Beitrag.
Coming-Out Storys

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